dein-stress-ist-mein-stress-wenn-stress-ansteckend-istGastbeitag, unbezahlte Werbung Bild©Nattakorn Maneerat - iStockphoto

Dein Stress ist mein Stress – Wenn Stress ansteckend ist

Stress ist einer der Hauptfaktoren bei der Entstehung von psychischen und körperlichen Krankheiten. Psychische Erkrankungen, wie Burnout, Depression oder Angststörungen, sind nicht selten Folgen einer Dauerstressbelastung. Auch schadet anhaltender Stress dem Körper, indem er das Immunsystem und regenerative Prozesse im Körper schwächt.

Wir sind im Alltag ständig mit vielen Dingen konfrontiert, welche uns Stress bereiten. Arbeit, Familie, Straßenverkehr, finanzielle Sorgen, alles erledigen zu müssen, Sorgengedanken, Leistungsansprüche und vieles mehr können dazu führen, dass wir uns von innen wie von außen unter Druck und Stress fühlen. Dazu trägt auch viel unsere schnelllebige Zeit. Alles soll immer mehr, schneller und besser gehen und wir versuchen mitzuhalten, indem wir uns unter ständigen Reaktionsdruck setzen.

Täglich fluten viele Reize auf uns ein, die uns fordern und zum Teil überfordern. Aber nicht nur diese offensichtlichen Reize beeinflussen uns und unser Stressniveau. Auch unsere Umgebung und die Menschen mit denen wir zusammen sind haben Einfluss auf unsere Stressbelastung

Stress kann auch ansteckend sein

Wir kennen alle das Phänomen, dass, wenn wir in einen Raum kommen in dem schlechte Stimmung herrscht, diese schnell auf uns überschwappt. „Hier herrscht dicke Luft“ sagen wir, spüren, wie wir uns unwohl fühlen, unruhig werden, die Atmung flacher wird. Wir lassen uns von der stressgeladenen Atmosphäre anstecken.

Dieses subjektive Empfinden ist aber auch wissenschaftlich belegbar. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und der TU Dresden konnte die Übertragung von Stress auf andere Menschen anhand der Ausschüttung des Stresshormons Kortisol zeigen. In der Studie mussten sich die Probanden verschiedenen Stresstests unterziehen. Z.B. schwierigen Mathematikaufgaben oder Bewerbungsgesprächen. 95 Prozent der Probanden, die diesem direkten Stress ausgesetzt waren, zeigten eine bedeutsame Erhöhung des Kortisol-Spiegels und nur fünf Prozent ließen sich durch den Stress nicht beeinflussen.

Noch interessanter sind aber die Ergebnisse der 2. Teilnehmergruppe, die selbst keinerlei Stress ausgesetzt waren, sondern nur die anderen Teilnehmer in Stress-Situationen beobachtet hatten. Hier kam es bei 26 Prozent zu einer signifikanten Ausschüttung des Stresshormons Kortisol. Dieser Effekt war besonders stark, wenn Beobachter und gestresste Person sich nahestanden (40 Prozent).

Aber auch bei völlig fremden Menschen sprang der Stress immerhin noch auf zehn Prozent der Beobachter über. Dabei gab es auch kaum Unterschiede zwischen den Ergebnissen von Männern und Frauen. Beide wurden gleichermaßen vom beobachteten Stress beeinflusst. Auch wenn der Stresstest nur am Bildschirm angeschaut wurde, waren bei 24 Prozent der Beobachter die Kortisol-Spiegel danach erhöht. „Das bedeutet, dass selbst Fernsehsendungen, die mich mit dem Leid anderer konfrontieren, den Stress auf mich übertragen können“, sagt die Studienleiterin Engert.

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Fernsehen beeinflusst unseren Stressspiegel

Auch andere Studien zeigen, dass unser Stressniveau allein durch Zuschauen im Fernsehen beeinflusst werden kann. So wird das Schauen von Gewalt- und Horrorfilmen als sehr kritische beurteilt, da wir dabei selbst erregt und ängstlich sind und mit den Opfern „mitleiden“. Auch konnte gezeigt werden, dass viel Nachrichten lesen und schauen zu einem deutlich negativeren Weltbild führt.

Nachrichtenschauer beurteilen die Welt als gefährlicher, gewaltvoller und ungerechter als Menschen die selten oder keine Nachrichten schauen. Dies führt dazu, dass Menschen mit einer negativen Weltsicht eher verschlossener sind, mehr zu depressiven, ängstlichen Gedanken und Grübeln neigen.

Ebenso beeinflusst unsere Umgebung, in der wir leben und uns viel aufhalten, unser Stressempfinden. Studien in den USA zeigen, dass Menschen, die in einer gewaltvollen Umwelt leben, die Welt gewaltvoller und gefährlicher einschätzen, als Menschen, die in einem friedlichen Umfeld wohnen. Sie fühlen sich tendenziell ängstlicher und depressiver.

Auch konnte gezeigt werden, dass die Stresslevel bei Menschen, die sich vorwiegend in künstlicher Umgebung aufhalten, bedeutend höher sind, als bei Menschen, die mehr Zeit in natürlicher Umgebung verbringen. So zeigte sich die Landbevölkerung tendenziell gesünder als Stadtmenschen.

Warum sind wir durch den Stress anderer beeinflusst?

Empathie

Erklären kann man das Phänomen, dass wir uns vom Stress anderer mitreißen lassen unter anderem dadurch, dass wir die Fähigkeit zu Empathie besitzen. Wir können uns in einen anderen Menschen hineinversetzten, mitfühlen und so auch mitleiden. Diese Empathie ist besonders groß bei Menschen, denen wir uns nahe fühlen und die wir gut kennen. Sie ist aber auch in Bezug auf Fremde vorhanden.

Die Empathie ist bei Menschen oft unterschiedlich stark ausgeprägt, aber prinzipiell ist fast jeder Mensch zu Empathie fähig. Empathie lässt uns andere Menschen verstehen und hilft uns, eine Verbindung zu anderen aufzubauen. Durch unsere Empathiefähigkeit nehmen wir bei anderen auch Gefühlszustände wie Ärger oder Stress wahr. Dies geschieht zum Teil bewusst, aber auch unbewusst oder unabsichtlich.

Eine weitere Erklärung für die Stressübertragung kann sein, dass wir mit unserem Umfeld in Resonanz gehen. Resonanz (lateinisch: „resonare = wiederhallen“) bedeutet in der Physik das Mitschwingen eines schwingungsfähigen Systems, wenn es einer Einwirkung von außen unterliegt. Die Physik zeigt, dass wir aus Energie oder Schwingungen bestehen und jedes Lebewesen, je nach aktuellem Zustand, in einer bestimmten Frequenz „schwingt“.

resonanz

Treten wir mit anderen in Kontakt, treten wir also auch mit den Schwingungen oder Frequenzen anderer Lebewesen in Kontakt und gehen damit in Resonanz. So können Stimmungen oder Gefühlslagen andere Menschen oder Atmosphären von bestimmten Umgebungen auf uns wirken und uns beeinflussen. Ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Das bedeutet, auch wenn wir uns in erholter und guter Stimmung in einen Raum mit vielen gestressten oder schlecht gelaunten Menschen begeben, werden wir davon beeinflusst. Nach einiger Zeit sinkt unsere Laune, wir fühlen uns unwohl, unruhiger, gestresst.

Das Umfeld

Besonders sensible Menschen nehmen diese Einflüsse meist deutlicher oder auch schneller wahr. Auch die gerichtete Aufmerksamkeit hat dabei einen wichtigen Einfluss. Richten wir bewusst die Aufmerksamkeit auf Menschen, die stark gestresst sind oder sehr negativ, gehen wir durch die aktiv gerichtete Aufmerksamkeit auch stärker mit diesen Menschen in Kontakt bzw. Resonanz. Dabei spielt auch eine große Rolle, wie wichtig uns diese Menschen sind und wie wir sie bewerten. Auf diese Weise beeinflusst uns auch deren Gefühlslage oder Stressniveau mehr als von anderen Menschen, denen wir weniger Aufmerksamkeit schenken.

Diese Zusammenhänge haben vielfältige Implikationen auf unser Alltagsleben. So sind wir zum Beispiel in Großraumbüros nicht nur dem eigenen Stress und dem erhöhten Geräuschpegel ausgesetzt, sondern auch dem Stress der Kollegen. Dasselbe gilt auch für den Berufsverkehr in Auto, Bus oder Bahn, Supermärkten, Plätzen an denen sich viele Menschen in Eile oder im Stress aufhalten. Aber auch zu Hause kann auf diese Weise eine Hauptquelle für Stress sein.

Umgeben wir uns in der Familie oder im Freundeskreis hauptsächlich mit gestressten oder negativ eingestellten Menschen beeinflusst dies auch unser Stressniveau und unsere Stimmung negativ. Auch sollten wir den Einfluss der Umgebung, in der wir leben oder uns vorwiegend aufhalten, nicht außer Acht lassen. So erhöhen Umgebungen mit Unordnung, Chaos, Lärm und schnellen Reizen unser Stressniveau.

Wie kann ich mich vor dem Stress meiner Umgebung schützen?

Es ist klar, dass wir im Alltag nicht jedem Stress aus dem Weg gehen können und nicht jeden stressigen Einfluss von unserer Umgebung oder anderen Menschen vermeiden können. Wir können uns aber vor vielen Stress-Einflüssen besser schützen, indem wir uns diese erst einmal bewusst machen und dann Wege finden, wie wir anders damit umgehen können. Auch kann es helfen für nicht vermeidbare stressige Umgebungseinflüsse einen Ausgleich zu finden.

Stress-Schutzräume aufbauen

Arbeiten wir in einer stressvollen Umgebung (z.B. Großraumbüro) können wir uns vor dem Stress anderer schützen, indem wir uns in Vorstellungsübungen eine Art „Ruheblase“ oder „Schutzkugel“ um uns herum bilden, an der aller Stress abprallt. Wichtig ist dabei, diese Imaginationsübung regelmäßig, anfangs täglich zu wiederholen und so zu implementieren. An manchen Arbeitsplätzen ist es auch möglich mit Kopfhörern zu arbeiten, um so den Umgebungslärm auszublenden.

So können wir auch den Stressschwingungen entgegenwirken, indem wir angenehme, entspannende Musik hören und Stressoren von außen besser ausblenden können. Auch Atemübungen zwischendurch zu machen, kann uns helfen Stress abzugeben. Dazu reichen oft schon 6-8 tiefe Atemzüge bis tief in den Bauch hinein mehrmals am Tag auszuführen. Hilfreich ist auch, ein bis 2 Mal täglich vor die Türe oder aufs WC zu gehen und sich dort ordentlich durchzuschütteln. So können wir Stress und Adrenalin abbauen, ihn sozusagen abschütteln. Auch hilft es uns, wenn wir die Mittagspause dazu nutzen, das Stressumfeld zu verlassen und am besten in die Natur zu gehen oder die Natur zumindest zu simulieren.

Natur als Gegenpool

Wenn wir uns viel in stressreichen Umfeldern aufhalten müssen und diese nicht meiden können, ist es wichtig, sich einen Gegenpool zur Ruhe und Erholung zu schaffen. Hierfür eignet sich nichts besser als die Natur. Die Natur bietet unserem Körper und Geist sanfte Reize, wodurch wir Stress loslassen und abschalten können. Außerdem belebt uns die Natur mit neuer Kraft und Energie. Wir können die Mittagspausen, Arbeitswege oder unsere Freizeit nutzen um in die Natur zu gehen.

Wichtig ist dabei, die Aufmerksamkeit bewusst auf die Natur zu lenken.

natur

Es ist sehr wohltuend, wenn wir auch mal alleine spazieren gehen, uns nicht von Gesprächen ablenken lassen, und unserem Geist so die Möglichkeit geben bewusst die Ruhe und Kraft wahrzunehmen und in uns aufzunehmen. Besonders bei der Wochenend- und Urlaubsplanung können wir gut für uns sorgen und natürliche Gegenden stressgeladenen vorziehen. Stressabbauend und kraftgebend wirken naturbelassene Umgebungen wie große Waldgebiete, Berge, Meer oder Urwälder, wo möglichst wenig von Menschen verändert wurde.

„Du bist nicht nur was Du isst, sondern auch was Du Dir sonst einverleibst“

Nicht nur über die Nahrung nehmen wir Stoffe in uns auf die uns nähren oder schaden, sondern auch über unsere Umgebung. Wir können uns hier schützen, indem wir darauf achten, welche Bilder, Geräusche und Stimmungen wir uns im privaten Umfeld einverleiben. Was wir im Fernsehen anschauen, welche Musik wir hören, auch wie wir unsere Wohnung gestalten hat Einfluss auf unsere Stimmung und unser Stressempfinden.

Gerade im Privatleben haben wir hier die Möglichkeit diese Faktoren so zu beeinflussen, so dass sie uns gut tun anstatt zu uns schaden. Dazu gehört es auch, dass wir unseren Bekanntenkreis etwas kritischer in Augenschein nehmen. Oft gibt es da Menschen, die uns mehr stressen als sie uns gut tun. Das können Menschen sein, die dauergestresst sind oder sehr negativ eingestellt und an allem nur das schlechte sehen. Das können aber auch Menschen sein, die nur nehmen, nie geben, nur quasseln anstatt auch mal zuzuhören oder Menschen, die uns immer ein schlechtes Gewissen zu machen versuchen. Auch wenn es manchmal schwer sein mag, kann es uns viel Stress nehmen, wenn wir uns von solchen Menschen mehr distanzieren oder trennen.

ICH lenke meine Aufmerksamkeit!

Nicht immer ist es möglich, Menschen, die uns nicht gut tun, zu meiden, wie z.B. im Berufsleben. Wir können aber für uns ganz bewusst entscheiden, wieviel Aufmerksamkeit wir diesen Stressoren schenken und inwieweit wir uns von ihnen beeinflussen lassen. Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, damit gehen wir in Resonanz.  Es ist unsere Entscheidung, worauf wir die Aufmerksamkeit bewusst richten und wovon wir sie abziehen.

Genauso verhält es sich mit unseren Bewertungen und Einstellungen. Diese unterliegen vielen Einflüssen aus der Kindheit, aus Lernerfahrungen, aus den Medien, aus unserem Umfeld. Es hilft uns, uns diese Bewertungen und Einstellungen bewusst zu machen und zu überprüfen, ob sie denn wirklich unsere sind bzw. noch aktuell sind. Wir haben dabei die Entscheidungsgewalt.

Auch wenn täglich vielerlei Stress von unseren Mitmenschen und unserer Umgebung auf uns einströmt, so haben wir doch viele Möglichkeiten uns vor diesen Stress-Einflüssen zu schützen und dem entgegenzuwirken.


Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Dipl. Psych. Stephanie Neuwald

stephanie-neuwald

Ich bin Psychologin und Stressmanagement Coach in München und arbeite seit vielen Jahren mit Menschen mit Stressthemen, Burnout, Depressionen, Angststörungen und Lebenskrisen in der Praxis, Klinik und bei Seminaren. Ich unterstütze Menschen dabei, wieder in ihre Kraft zu finden und ihre Stärken zu leben. Bewusst und möglichst frei von Zwängen zu leben sind für mich wichtige Faktoren um gesund und glücklich zu sein.

Durch meine Reisen und meine Stressmanagement-Seminaren in Costa Rica erlebe ich immer wieder den befreienden und heilenden Einfluss von Natur und lebendiger positiver Umgebung. Daher ist es mir sehr wichtig den Aspekt Natur auch in die Therapie und den Alltag einzubringen. Meine Erfahrungen aus meinem Leben, der Therapie und der Forschung versuche ich auch in Seminaren und Artikeln weiterzugeben und anderen damit Anregungen und Hilfestellungen zu geben.

stress-los.de / psychotherapie-neuwald.de