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Mehr als nur ein Trend: Besseres Stressmanagement durch Achtsamkeit

Immer mehr Magazine, Bücher, Youtube-Videos und Instagram-Stories zum besseren Leben sprießen aus dem Boden. Von Minimalismus über Hygge bis hin zu spirituellen Mythen. Auf der Suche nach der inneren Ruhe gibt es scheinbar unendlich viele Wege – so viele, dass dieses Überangebot und die Suche nach dem „richtigen“ Weg im Labyrinth aus Methoden zuweilen mehr Verwirrung als Erleichterung stiften. UND DAS STRESST. Denn neben dem eigentlichen Problem, fehlt auch die Klarheit über mögliche Lösungswege. Jeder hat scheinbar DIE Methode zum besseren, erfüllteren Leben.

Achtsamkeit ist ein Begriff, der ebenfalls als Trendwort erscheint, allerdings im klinischen Bereich aber auch am Arbeitsplatz immer mehr an Bedeutung gewinnt. Aktuell setzen immer mehr internationale Konzerne wie Google oder deutsche Unternehmen wie SAP und Volkswagen auf Achtsamkeitstrainings und Meditation für ihre Führungskräfte und Mitarbeiter.

Aber was nutzt achtsam leben wirklich?

Die Gesellschaft vom Schüler bis hin zum Topmanager ist vielfach überreizt und gestresst. Durch digitale Medien, soziale Netzwerke, stetig schneller werdende Arbeitsprozesse fehlt es vielen Menschen an Momenten zum Innehalten. Hier kann Achtsamkeit eine wichtige Hilfe leisten. Achtsamkeit ist eine Haltung aus der buddhistischen Tradition Brown, Creswell und Ryan fassen es im „Handbook of Mindfulness“ zusammen als den meditativen Status des Voll-und-ganz-im–Moment-Seins. Dieser ermöglicht, sich selbst bewusst ohne unmittelbare Bewertung wahrzunehmen, um aus gewohnten Verhaltensmustern auszusteigen.

Wie Achtsamkeit Dir im Alltag hilft

Achtsamkeit ermöglicht Dir, Dich besser zu fokussieren.
Durch die Konzentration auf das Hier und Jetzt, die Grundlage der achtsamen Haltung, fokussierst Du Dich im Tun auf den jeweiligen Moment. So bist Du präsenter bei Dir und anderen, kannst besser priorisieren, was jetzt gerade wichtig ist. Das hilft Dir, konzentriert zuzuhören und zu arbeiten oder einfach zu entspannen.

Achtsamkeit ermöglicht dir einen besseren Umgang mit negativen Gefühlen

Durch die beobachtende Haltung des Nicht-Wertens in der Achtsamkeit, ist es Dir möglich Gefühle –insbesondere negative, zu beobachten und sie anzunehmen, ohne Dich von ihnen überrollen zu lassen. Du kannst mit Distanz auf Deine Gefühle schauen und so Gefühlsspiralen unterbrechen. Wenn Du Dir z.B. Sorgen machst oder Angst hast, kannst Du das Gefühl erst mal beobachten, ohne es sofort als „schrecklich“ zu bewerten. So kannst Du es Dir ansehen und hinterfragen. Das eröffnet Dir die Option, eine andere Perspektive einzunehmen und so besser mit negativen Gefühlen umzugehen.

Achtsamkeit ermöglicht dir Stress zu reduzieren

Dadurch, dass Du im Hier und Jetzt beobachtest, was passiert, bist Du in der Lage Deine persönlichen Stressfaktoren zu identifizieren. So kannst Du Deine Bedürfnisse besser wahrnehmen, um eine entsprechende Handlung abzuleiten, da Du nicht mehr einem automatisierten Stressmuster folgst. Auch bei emotionalem Stress hilft Achtsamkeit.
Achtsam sein heißt nämlich, weder Dich für Vergangenes zu verurteilen noch, dass Du Dir (unnötig) Gedanken um die Zukunft machst. Dazu kannst Du Dich z.B. fragen, was Dir diese Sorge gerade nutzt und sie liebevoll betrachten, oder Dich fragen, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Dafür kannst Du einen Lösungsweg finden, um Dich zu beruhigen und dann der realen Situation in der Gegenwart wieder Aufmerksamkeit zu schenken. Achtsamkeit trägt dadurch auch zu Klarheit in komplexen, Stress verursachenden Fragestellungen bei.

Bei der Achtsamkeitspraxis ist zu beachten: Achtsamkeit funktioniert nicht auf Knopfdruck, es ist eine Haltung, die geübt werden muss, um erfolgreich zu sein.
Gerade die Praxis der Meditation zu erlernen ist dafür essentiell, da sie nachweislich Veränderungen im Gehirn verursacht, die zu den oben genannten Effekten beitragen. Neuronale Veränderungen im Gehirn, die kognitive Fähigkeiten und emotionale Regulationsfähigkeit verbessern sowie eine nachweisliche Stressreduktion, sind nach der aktuellen Studienlage allerdings erst nach 8 Wochen zu verzeichnen.

Achtsamkeitsübungen können die Bewusstheit und die Lernerfahrung für die jeweiligen Hirnregionen zusätzlich unterstützen.

Achtsamkeitsübungen für den Alltag

Achtsam Stehen
Stelle Dich ruhig hin und nehme Deine Füße und Fußsohlen wahr. Achte bewusst darauf, wie das Gewicht auf Deinen Füßen verteilt ist und verteile es gleichmäßig.

Achtsam Gehen
Nehme beim Gehen bewusst wahr, wie Du Deine Beine bei jedem Schritt hebst und achte darauf, dass Du Deine Füße bewusst gleichmäßig abrollst. Neben dem Fokus auf die Sache steigerst Du auch Deine Körperwahrnehmung und kannst –wenn nötig – gesundheitsförderlichere Bewegungsmuster wie ganzes Abrollen der Füße etablieren.

Achtsam Essen
Nehme Dir ein Stück Obst, rieche daran und esse es langsam und genussvoll Stück für Stück. Kaue jeden Bissen genüsslich und bleibe mit der Aufmerksamkeit bei dem Stück Obst. Wenn andere Gedanken auftauchen, versuche Dich gedanklich wieder auf das Stück Obst zu fokussieren. Beiße erst wieder erneut hinein, wenn du das letzte Stück vollständig zerkaut und heruntergeschluckt hast. (Ist natürlich auch mit anderen Lebensmitteln denkbar.)

Achtsames Zähneputzen
Suche Dir eine Alltagsübung aus wie z.B. Zähneputzen oder auch Händewaschen, die Du regelmäßig durchführst, die Du ab jetzt mit voller Aufmerksamkeit auf diese Tätigkeit –ohne Ablenkung-täglich mehrfach wiederholst.


Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Alexandra Schollmeier

alexandra-schollmeier

Ich helfe Menschen dabei, ihrem Stress auf den Grund zu gehen, Probleme zu lösen und sich körperlich sowie mental zu entspannen.
Mein Ziel ist es Menschen zu ermutigen ihre Ressourcen zu erkennen, zu nutzen und ihr Leben nach ihren individuellen Werten und Bedürfnissen zu gestalten.

Weiter Infos findest Du auf alexandraschollmeier.de.
(LifeBalance Coach)


Literatur:

  • K.W. Brown, J.D. Creswell, R. M. Ryan: Handbook of Mindfulness. Theory, Research, and Practice. The Guilford Press. New York 2015.
  • Jon-Kabat-Zinn: Gesund durch Mediation. Das große Buch der Selbstheilung mit MBSR. Knaur. München 2013.
  • Chade-Meng Tan: Search Inside Yourself. Optimiere dein Leben durch Achtsamkeit. Goldmann. München 2012.
  • meditation-wissenschaft.org