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Totale Erschöpfung mit Mitte 20?

Wie es dazu kommen kann und wie Du dem vorbeugen kannst!

Was oder wen assoziierst Du mit Burnout? Vielleicht einen gestressten Manager, Ende 40, aus der freien Wirtschaft im schicken Anzug, der bis spät in die Nacht an seinem Schreibtisch sitzt und auch zuhause das Handy nicht beiseitelegen kann?

Diese Charaktere sind sicherlich auch häufig Betroffene von Burnout oder anderen stressbedingten psychischen Erkrankungen. Burnout ist schon lange nicht mehr nur den gestressten Managern „vorbehalten“. Nebenbei sei erwähnt, dass vor allem Berufsgruppen wie z.B. Lehrer, Sozialarbeiter, Pflegekräfte oder Polizeibeamte diejenigen mit dem höchsten Risiko für Burnout sind.

Die andere Risikogruppe

In diesem Beitrag geht es um eine Risikogruppe, denen totale Erschöpfung am wenigsten „zugeordnet“ wird und über die selten in diesem Kontext gesprochen wird. Junge Menschen zwischen 20 und 35, die sich noch im Studium oder im Berufseinstieg befinden. Menschen, die doch „eigentlich“ nur so vor Energie strotzen und „sich einfach zusammenreißen sollen“.

Ohne lange zu überlegen kann ich bereits einige Personen aus meinem Bekanntenkreis aufzählen, die mit 25/26 einen Burnout erlitten und dadurch ihr Studium abbrechen mussten oder ihren Job gekündigt haben. Müsste ich nur die „harmlosen Fälle“ aufzählen, also wie viele sich ständig gestresst fühlen und bereits mit Symptomen wie Schlafstörungen oder Störungen des Verdauungssystems zu kämpfen haben, reichen zwei Hände fast schon nicht mehr, um diese aufzuzählen. Wie kann das sein?

Dazu schauen wir uns mal die Risikofaktoren für Burnout an:

Faktoren aus der Umwelt:

  • Extrem hohe Leistungsanforderungen
  • Hohes Arbeitsvolumen und eine hohe Geschwindigkeit
  • Hohes Maß an Verantwortung und Entscheidungsmacht
  • Kontakt mit zwischenmenschlichen Extremsituationen
  • Hohe Belastung in verschiedenen Lebensbereichen

Faktoren der eigenen Persönlichkeit:

  • Perfektionsstreben
  • Übermäßige Motivation und Leistungsbereitschaft
  • Extremes Harmoniestreben
  • Idealismus

Ein Blick auf die Persönlichkeitsfaktoren macht deutlich, wieso junge Menschen sehr anfällig für psychische Erschöpfung sein können. Ich weiß noch wie hochmotiviert ich nach dem Abi in mein Studium startete. Endlich etwas lernen, was ich mir selbst ausgewählt habe. Endlich mein Traumleben gestalten und voll durchstarten. Ich war motiviert bis in die Haarspitzen und wollte alles perfekt machen, um das bestmögliche heraus zu holen. Genauso geht es den meisten zu Beginn ihres Studiums und Berufseinstiegs.

Solange die Leistungsanforderungen entsprechend der eigenen Ansprüche erfüllt werden können, fühlen wir uns gut und sind auf Erfolgskurs. Doch die Zeiten des gemütlichen Studierens ohne zeitliches Limit sind längst vorbei und die Leistungsanforderungen sind je nach Studiengang und Beruf schon zu Beginn sehr hoch.

Hinzu kommen weitere externe Risikofaktoren, wie z.B. Zukunftsängste, finanzielle Sorgen (wie zahle ich als Student die Miete in teuren Großstädten?) und zusätzliche Belastungen durch ein neues soziales Umfeld,mit denen junge Menschen oft konfrontiert sind. Man ist beispielsweise durch einen Umzug in eine neue Stadt plötzlich „auf sich allein gestellt“ .

Anspruch: Selbstoptimierung

Unabhängig davon gibt es schon seit einigen Jahren einen Trend, der in diesem Kontext sein Übriges tut und den ich sehr kritisch sehe. Das Thema Selbstoptimierung steht hoch im Kurs: „No pain, no gain.“ oder „Wenn Du alles gibst was Du hast – kannst Du alles haben was Du willst.“ sind für viele junge Menschen nicht nur Motivationssprüche, sondern eine Lebenseinstellung geworden.

Heute wird dieser Anspruch längst nicht mehr nur an die berufliche Entwicklung gestellt, sondern reicht in alle Lebensbereiche rein. Karriere im Traumjob, die perfekte Beziehung, tolle Freunde, die perfekte Wohnung und in Sachen Fitness und Ernährung sollte auch alles „on point“ sein.

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Eine Lebenseinstellung, die gefährlich wird, wenn sie dazu führt, dass kein Ziel gut genug ist. Wenn wir glauben alles erreichen zu müssen was theoretisch möglich ist – und möglich ist ja alles, wenn man die motivierenden Slogans beim Wort nimmt. Wer da nicht mitspielt scheint sich „nichts aus seinem Leben machen zu wollen“. Beiläufige Sprüche, die vor allem junge Menschen in ihrer Orientierungsphase sehr stark beeinflussen können.

Wer weiß, vielleicht ist auch tatsächlich alles möglich – doch zu welchem Preis? Was haben wir von einem „perfekten“ Leben, wenn es uns mehr Energie raubt als gibt? Der Moment, in dem wir total erschöpft aus unserem Turbomodus „aufwachen“, kann ziemlich schmerzhaft sein. Wenn wir uns fragen, wofür wir den Preis zahlen, weil wir den Zugang zu unseren eigenen Bedürfnissen und Wünschen verloren haben und nur noch funktionieren. Mal abgesehen von den gesundheitlichen Folgen, die wir gerne erstmal beiseiteschieben und als „normal“ abtun.

Die eigenen Einstellungen hinterfragen

Doch was können wir tun, um dies zu vermeiden? Hier geht es nicht um Meditieren oder das Optimieren Deines Zeitmanagements, sondern um die Überprüfung und ggf. Änderung Deiner grundlegenden Einstellungen.

1. Eigenen Bedürfnisse und Wünsche

Habe stets ein Bewusstsein für Deine eigenen Bedürfnisse und Wünsche und nimm sie ernst. Je mehr Du sie ignorierst, desto heftiger wird Dein Körper Dich später daran erinnern. Dieses Bewusstsein, Deine Intuition, dient Dir wie ein Kompass, sowohl bei kleinen Entscheidungen im Alltag als auch bei größeren Entscheidungen.

Regelmäßige Entspannungsübungen können dabei helfen wieder ein Gespür für unseren Körper und unser mentales Befinden zu finden. Durch die Übungen lernen wir nämlich wie sich Entspannung anfühlt und können starke Abweichungen viel früher identifizieren und rechtzeitig einen Gang zurückschalten.

2. Lerne Dich abzugrenzen

Dieser Punkt spielt bei 1. zwar auch mit rein, dennoch möchte ich ihn besonders hervorheben. Sich abzugrenzen heißt nicht jede Aufgabe anzunehmen, sich nicht alles gefallen zu lassen aus Angst vor Ablehnung und sich nicht sagen zu lassen, wie das eigene Leben auszusehen hat oder was „normal“ ist.

3. Sei offen für Veränderung

Damit meine ich vor allem jene Veränderung, mit der Du vielleicht ursprünglich nicht gerechnet hast. Viele entwickeln im Laufe ihrer Ausbildung oder ihres Studiums eine feste Vorstellung davon wie ihre Karriere, sprich der Lebenslauf, auszusehen hat. Das ist auch hilfreich, um zielgerichtet arbeiten zu können.

Oft entwickelt sich das Leben jedoch nicht wie geplant oder die eigenen Wertevorstellungen und Bedürfnisse ändern sich. Halten wir uns zu sehr an dem Originalplan fest, fällt es schwer neue Wege einzuschlagen ohne bereits gegangene Schritte als Zeitverschwendung anzusehen. Stures Festhalten am bereits eingeschlagenen Karrierepfad hindert uns jedoch nur daran neue Möglichkeiten und Wege zu entdecken, die uns langfristig vielleicht sogar glücklicher machen können.

4. Genuss und Humor

Was abgedroschen klingt ist und bleibt eine absolute Geheimwaffe, wenn es auch tatsächlich gelebt wird. Mache Dein Glück nicht von der Erreichung Deiner Ziele abhängig. Wenn Du lernst den Moment unabhängig von äußeren Faktoren zu genießen, das Leben nicht ganz so ernst zu nehmen und immer mit einer Prise Humor zu würzen, tust Du bereits etwas Elementares um glücklich, gesund und zufrieden zu bleiben.

Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Mahatma Ghandi:

„Es gibt wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“


Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Silvia Hofmann
silvia-hofmann
Den Moment aus dem Turbomodus erschöpft aufzuwachen und sich zu fragen „wofür mache ich das eigentlich?“, den habe ich erlebt. Ich war müde und stellt fest, mich von einem kreativen, lebensfrohen und aktiven Menschen zu einem gut funktionierenden Roboter entwickelt zu haben. So habe ich mich damals zumindest gefühlt. Damals hatte ich zum Glück Personen in meinem Umfeld mit denen ich darüber sprechen konnte. Ich fing an meine innere Einstellung zu hinterfragen, das was ich beruflich tat und arbeitete an meinem Perfektionismus.

Diese persönliche Erfahrung hat mich dazu motiviert mich zur systemischen Coach ausbilden zu lassen und junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Auf dem Weg ihre eigene Stimme wieder zu finden und das für sie richtige Maß an Gelassenheit zu entwickeln. Dazu biete ich mein Einzelcoaching und meinen Podcast „Jung, dynamisch, ausgelaugt“ an. Mehr Informationen findest Du auf silvia-hofmann-coaching.de .