Mobbing in der Schule erkennen und verhindern

8 Min. Lesezeit Aktualisiert am
Kind sitzt allein auf dem Schulhof – Mobbing in der Schule erkennen und verhindern

Mobbing in der Schule stellt für die Opfer eine starke physische und psychische Belastung dar. Wir zeigen, welche Stressfaktoren bei Mobbing eine Rolle spielen, wie man Opfer von Mobbing erkennt und wie Eltern helfen können.

Was ist Mobbing?

Bei Mobbing handelt es sich um alle Formen physischer als auch psychischer Gewalt gegen eine schwächere Person. Dabei kommt es über einen längeren Zeitraum hinweg in regelmäßigen Abständen zu Schikane und gezielten Attacken. Mobbing findet in allen Altersgruppen statt; ist jedoch besonders bei Kindern und Jugendlichen stark verbreitet. Betroffene stehen dabei unter hohem sozialen Stress, der auf Dauer sowohl zu psychischen als auch zu körperlichen Symptomen führt.

Direktes und indirektes Mobbing

Mobbing hat viele Gesichter: Während im Grundschulalter Mobbing vor allem mit verbalen Drohungen, Beleidigungen sowie physischer Schikane in Form von Schlägen, Tritten und Schubsen einher geht, rückt mit zunehmendem Alter das sogenannte indirekte oder auch stillschweigende Mobbing in den Fokus. Opfer werden dann beispielsweise ignoriert und gezielt von der Klassengemeinschaft isoliert. Auch Cybermobbing zählt zum indirekten Mobbing. Bei dieser Art von Schikane zerstören Täter den Ruf des Opfers; etwa mit Fake Accounts oder mit der Veröffentlichung von privatem sowie von gefälschtem Bild und Videomaterial.

Der Mobbingprozess

Auch wenn sich die Art des Mobbings von Täter zu Täter unterscheidet, durchläuft ein Mobbingprozess drei Phasen, während der das Opfer zunehmend unter Stress gerät. Nur wenige Betroffene halten einer solchen Belastung dauerhaft ohne Folgeschäden Stand. So leiden Opfer von Mobbing häufig an starken psychischen sowie körperlichen Problemen.

  1. Exploration: Während dieser frühen Phase des Mobbings beginnen Kinder damit, andere Kinder in ihrem Umfeld zu schikanieren. Während sich das spätere Mobbing gezielt gegen eine kleine Gruppe von Kindern oder gegen eine Einzelperson richtet, gehen potenzielle Täter in diesem Stadium noch recht willkürlich vor.
  2. Konsolidierung: Hat das Kind ein passendes Opfer gefunden, wird dieses während der Konsolidierungsphase regelmäßig attackiert – dies kann sowohl physisch als auch psychisch erfolgen.
  3. Manifestation: Halten die Mobbingattacken an, rückt das geschädigte Kind zunehmend in eine Opferrolle. Durch die Attacken verunsichert, isolieren sich die Opfer und verschließen sich auch gegenüber ihrer Familie. Täter beziehen während dieser Phase andere Kinder in die Mobbingattacken mit ein, sodass das Opfer nicht mehr nur einem, sondern häufig mehreren „Mobbern” ausgesetzt ist.

Opfer erkennen

Für Außenstehende ist Mobbing häufig schwer zu erkennen. Allerdings gibt es Warnzeichen, die darauf hindeuten, dass ein Kind Opfer von Mobbinghandlungen geworden ist:

Rückzug

Kinder, die in der Schule Opfer von physischen und psychischen Attacken werden, ziehen sich mit der Zeit immer mehr zurück. Sie verschließen sich gegenüber ihren Eltern und nehmen im Familienalltag zunehmend eine passive Rolle ein.

Desinteresse

Wer im Alltag kontinuierlich Opfer von Schikane wird, verliert mit der Zeit das Interesse an der Realität. So flüchten Mobbingopfer häufig in eine Phantasiewelt. Kinder und Jugendliche beginnen dann beispielsweise damit, exzessiv Computer zu spielen oder Videos zu schauen, um dem Alltag zu entkommen.

Unsicherheit

Unsicheres, ängstliches Auftreten kann ebenfalls ein Anzeichen für Mobbing sein. Denn kontinuierliche Schikane verunsichert das Opfer, welches versucht, seine Außenwirkung auf ein Minimum zu reduzieren, um ja nicht aufzufallen. Insbesondere bei Kindern zeigt sich dieses Verhalten irgendwann auch innerhalb der Familie. Sie halten sich aus Diskussionen heraus, reagieren passiv auf Kritik und halten sich mit ihrer Meinung zurück.

Weigerung, zur Schule zu gehen

Weigert sich dein Kind, in die Schule zu gehen, oder hat es dauerhaft keine Lust auf den Unterricht, sollten Eltern genauer nachfragen – insbesondere dann, wenn diese Unlust öfter auftritt und über einen längeren Zeitraum anhält. Auch Lehrkräfte sollten bei Kindern, die dauerhaft verängstigt oder auffällig teilnahmslos wirken, das nähere Umfeld genauer beobachten.

Körperliche Schmerzen und Verletzungen

Auch Bauchschmerzen, Übelkeit und Kopfweh, die meist unter der Woche auftreten, deuten darauf hin, dass das Kind in der Schule einer starken Belastung ausgesetzt ist. Sehen manche Kinder keinen anderen Ausweg als solche Symptome vorzutäuschen, können Schmerzen auch als Folge von chronischem Stress auftreten. Denn die Furcht vor weiteren Attacken führt bei Mobbingopfern zu einer dauerhaften Anspannung. Es folgen typische Stresssymptome, welche den Opfern sowohl physisch als auch psychisch Schaden zufügen. Neben körperlichen Symptomen können auch Verletzungen ein Hinweis auf physische Gewalt sein. Hellhörig werden sollten Eltern dann, wenn Kinder die Verletzungen nicht erklären können oder wollen.

Mobbing in der Schule vorbeugen und beenden

Egal ob in der Schule oder später am Arbeitsplatz – bei Mobbing ist schnelles Handeln von Lehrern, Eltern oder auch Vorgesetzten gefragt.

Präventivmaßnahmen in Kindergarten und Schule

Vor allem im Kindergarten und in der Schule ist es wichtig, Mobbing mittels Aufklärung vorzubeugen. Kinder können beispielsweise dafür sensibilisiert werden, welche Folgen Mobbing für die Opfer hat, ab wann es sich um Mobbing handelt und auch, wie man als Betroffener reagiert. In diesem Zusammenhang ist es außerdem wichtig, dass Kinder Vertrauen zu Lehrern und Erziehern aufbauen. Mobbingopfer glauben häufig, sie seien selbst für ihre Situation verantwortlich. In einer Diskussionsrunde zum Thema Mobbing sollten Bezugspersonen dieses Missverständnis unbedingt aus dem Weg räumen. Anstatt einem Gespräch mit der ganzen Klasse können auch Maßnahmen wie Rollenspiele helfen, um Mobbing vorzubeugen. Hierbei haben Pädagogen außerdem die Möglichkeit, sich ein Bild von der Gruppendynamik außerhalb des „regulären” Unterrichts zu verschaffen.

Präventivmaßnahmen für Zuhause

Kinder, die Opfer von Mobbinghandlungen werden, haben häufig ein geringes Selbstvertrauen, einen introvertierten Charakter oder unterscheiden sich auf eine andere Art von ihren Klassenkameraden. Auch Kinder, die Probleme haben, mit anderen in Kontakt zu treten oder sozial zu interagieren, geraten leichter in eine solche Situation. Um zu verhindern, dass Kinder von anderen schikaniert werden, hilft ein respekt- sowie vertrauensvoller Umgang innerhalb der Familie:

  • Respektvoller Dialog: Um Kindern Selbstvertrauen zu vermitteln, ist ein vertrauensvoller Dialog innerhalb der Familie elementar. Dazu gehört auch, Kinder als gleichwertige Gesprächspartner anzuerkennen und auf ihre Argumente und Probleme einzugehen.
  • Interesse: Eltern sollten regelmäßig Interesse am Leben ihres Kindes zeigen. Durch aktives Nachfragen bekommen Erziehungsberechtigte einen besseren Einblick in den Schulalltag. So können Probleme mit Mitschülern rechtzeitig erkannt und behoben werden. Auch Elternabende sowie Sprechstunden helfen dabei herauszufinden, welche Rolle die Kinder in ihrer Klasse einnehmen.
  • Lob und Unterstützung: Auch regelmäßiges Lob trägt dazu bei, das Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken. Klappt mal etwas nicht wie geplant, ist es wichtig, Kinder bestmöglich zu unterstützen.
  • Aufklärung: Mobbingopfern fällt es häufig schwer, sich anderen anzuvertrauen. Sie schämen sich für ihre Situation und haben Angst, von den Mobbingattacken zu erzählen oder die Namen der Täter zu verraten. Um eine solche Situation zu vermeiden, sollte das Thema Mobbing offen angesprochen werden – egal ob ein konkreter Verdacht vorliegt oder nicht.

Mobbing in der Schule: 9 Tipps für Eltern und Kinder

Tritt der Ernstfall ein, ist es in erster Linie wichtig zu handeln, aber trotzdem Ruhe zu bewahren.

  1. Vertrauen: Liegt ein Verdacht auf Mobbing vor oder vertrauen sich Kinder ihren Eltern an, ist es wichtig, diese unbedingt ernst zu nehmen und Verständnis für die Situation zu zeigen.
  2. Ruhe bewahren: Ist das eigene Kind betroffen, ist das Verlangen groß, die Eltern des Täters sofort zu kontaktieren. Allerdings verschärft eine solche Handlung den Konflikt und setzt das Opfer einer noch höheren Belastung aus.
  3. Richtige Ansprechpartner kontaktieren: Anstatt die Familie des Täters direkt zu kontaktieren, ist es sinnvoller, sich zuerst an die Klassenleitung zu wenden. Sie agiert als Mittler und kann versuchen, Übergriffe während der Schulzeit zu verhindern. Verschlechtert sich die Situation oder tritt keine Besserung ein, gibt es Hilfe bei Schulpsychologen oder entsprechenden Beratungsstellen.
  4. Soziales Umfeld beobachten: Besucht das betroffene Kind einen Hort oder den Nachmittagsunterricht, ist es nach Absprache mit der Klassenleitung außerdem sinnvoll, Kontakt mit den jeweiligen Betreuern und Lehrern aufzunehmen. Schildere die Situation so detailliert wie möglich mit der Bitte, die Beteiligten für eine Zeit lang besser im Auge zu behalten, um weitere Attacken gegebenenfalls zu verhindern.
  5. Mobbinghandlungen dokumentieren: Zur Lösung des Konflikts und um die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, hilft es, Mobbingattacken schriftlich zu dokumentieren. Schreibe die Aussagen deines Kindes auf und achte auch auf Details: Wie wurde gemobbt? Wer war dabei? Wann und wo war die Attacke? Wurden Gegenstände beschädigt? Gibt es sichtbare Verletzungen? Hat jemand geholfen, und wenn ja, wer? Solche Aufzeichnungen sind dabei nicht nur wichtig für die Eltern des betroffenen Kindes, sondern können auch der pädagogischen Bezugsperson helfen, die Situation einzuordnen und geeignete Schritte zu unternehmen.
  6. Richtiges Verhalten bei Mobbingattacken trainieren: Nicht aggressiv reagieren, böse Bemerkungen überhören oder die Täter mit Gleichgültigkeit langweilen – mit dem richtigen Verhalten können betroffene Kinder Mobbingattacken abschwächen und somit Stressfaktoren reduzieren.
  7. Nicht schlagen: Auch wenn es schwer fällt, ermutige dein Kind bei Mobbingattacken dazu, NICHT zurückzuschlagen. Natürlich ist es jedoch wichtig, dass sich Betroffene verbal zur Wehr setzen. „Hör sofort auf”, „Ich will das nicht.”, „Stopp” – bei Bedarf übe diese Sätze gemeinsam mit deinem Kind vor dem Spiegel. Atemübungen können außerdem helfen, während einer belastenden Situation Ruhe zu bewahren.
  8. Gemeinsam Lösungen finden: Um das Selbstwertgefühl von betroffenen Kindern zu stärken, ist es hilfreich, sie aktiv miteinzubeziehen, wenn es darum geht, eine Lösung zu finden, um den Mobbingprozess schnellstmöglich zu beenden. Wie reagiert das Kind auf die Attacken? Warum könnte es schikaniert werden? Werden auch andere Kinder in der Klasse gemobbt? Den Mobbingprozess gemeinsam zu reflektieren vermittelt dem betroffenen Kind Akzeptanz und verhilft ihm zu mehr Selbstbewusstsein.
  9. Neue Freunde suchen: Kinder mit Freunden werden seltener Opfer von Mobbinghandlungen. Wurde das Kind aus der Klasse ausgeschlossen, kann es helfen, Freunde außerhalb der eigenen Klasse oder Schule zu suchen. So können Betroffene beispielsweise in Sportvereinen oder Musikgruppen neue soziale Kontakte knüpfen und ihr Selbstvertrauen stärken.

Wann professionelle Hilfe holen?

Manchmal reichen schulinterne Maßnahmen nicht aus. Wenn sich die Situation trotz aller Bemühungen nicht bessert oder dein Kind deutliche Anzeichen psychischer Belastung zeigt – etwa Schlafprobleme, anhaltende Ängste oder sozialen Rückzug –, solltest du nicht zögern, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Kinder- und Jugendpsychologen sowie spezialisierte Beratungsstellen können betroffenen Familien helfen, die Situation aufzuarbeiten und nachhaltige Strategien zu entwickeln.


Text: Natalie Grolig

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob mein Kind in der Schule gemobbt wird?

Typische Warnsignale sind sozialer Rückzug, Desinteresse am Schulalltag, körperliche Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen unter der Woche sowie die Weigerung, zur Schule zu gehen. Auch unerklärliche Verletzungen oder ein plötzlich unsicheres Auftreten können auf Mobbing hindeuten.

Was soll ich als Elternteil tun, wenn mein Kind in der Schule gemobbt wird?

Nehmen Sie Ihr Kind ernst und bewahren Sie Ruhe. Wenden Sie sich zuerst an die Klassenleitung, dokumentieren Sie die Vorfälle schriftlich und ziehen Sie bei Bedarf Schulpsychologen oder Beratungsstellen hinzu. Vermeiden Sie es, die Eltern des Täters direkt zu konfrontieren.

Was ist der Unterschied zwischen direktem und indirektem Mobbing?

Direktes Mobbing umfasst körperliche Angriffe und verbale Beleidigungen, während indirektes Mobbing Ausgrenzung, Isolation und Cybermobbing beinhaltet. Indirektes Mobbing wird mit zunehmendem Alter der Kinder häufiger.

Wie kann man Mobbing in der Schule vorbeugen?

Präventiv helfen Aufklärungsgespräche, Rollenspiele im Unterricht und der Aufbau von Vertrauen zu Lehrern. Zuhause stärken ein respektvoller Dialog, regelmäßiges Lob und offene Gespräche über das Thema das Selbstvertrauen der Kinder.

Welche Phasen durchläuft ein Mobbingprozess?

Ein Mobbingprozess verläuft typischerweise in drei Phasen: Exploration (willkürliche Schikane), Konsolidierung (gezielte, regelmäßige Attacken gegen ein bestimmtes Opfer) und Manifestation (das Opfer gerät in eine feste Opferrolle, weitere Kinder werden einbezogen).

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