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Ein Hoch auf Langsamkeit. Ein Hoch auf Pausen.

Wir leben in einer beschleunigten Gesellschaft, in der wir das Gefühl haben, dass sich die Welt um uns herum immer schneller und schneller dreht. Wie entsteht das Gefühl des dauernden Gehetztseins bzw. das Gefühl im Hamsterrad gefangen zu sein? Befindet sich jeder einzelne in einem Hamsterrad, oder befinden wir uns alle in einem riesigen Hamsterrad?

Warum hört man Sätze wie „Die Zeit ist knapp, ich muss das noch schnell(er) erledigen. Ich habe das Gefühl Zeit zu verlieren/Zeit zu verschwenden“ nur von Erwachsenen, nicht aber von Kindern? Michael Ende beantwortet diese Frage in seinem Kinderbuch „Momo“ wie folgt:

„Niemand schien zu merken, dass er, indem er Zeit sparte, in Wirklichkeit immer ärmer, immer gleichförmiger und immer kälter wurde. Aber Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen. Und je mehr die Menschen daran sparten, desto weniger hatten sie.“
Michael Ende, Momo

1973 wurde das Buch geschrieben. Zu begreifen, dass die Geschichte vor 44 Jahren entstand, hat mich kurz sprachlos gemacht! Vor 44 Jahren. Es gab noch kein Handy und bis zur Entstehung von Google sollten auch noch einmal 25 Jahre vergehen. Und doch könnte die Wahrheit hinter der Geschichte von Momo nicht aktueller sein als Heute.

Unsere heutige Gesellschaft ist von Effizienzdenken getrieben und zielorientiert. Langsamkeit und Müßiggang sind Begriffe, die für Faulheit und Unproduktivität stehen. Es gibt kaum noch Momente des Innenhaltens. Der Psychologe Prof. Dr. Stefan Schmidt erklärt in einem Interview, dass Muße zu innerer Ruhe führt – unser Geist braucht diese Ruhe, um aufzuräumen, kreativ und ausgeglichen zu sein. Muße ist nicht automatisch Freizeit. Freizeit existiert als Gegenpol zur Arbeit. Ich habe nur dann Freizeit, wenn ich zuvor gearbeitet habe.

Wir reden hier aber über Muße, über erfülltest Tun ohne zeitlichen Druck.  Wichtig ist dabei zunächst zu verstehen, wie hinderlich Eile ist. Sich zu beeilen bringt weder Muße noch freie Zeit hervor, sondern nur Stress. Sich beeilen löst Unruhe aus und diese Unruhe sorgt dafür, dass wir rastlos durchs Internet klicken oder im Fernsehen zappen.

„Unser Geist eilt unserem Tun ständig voraus. Wenn wir sitzen, sind wir bereits aufgestanden. Wenn wir stehen, sind wir bereits losgegangen. Wenn wir gehen, sind wir schon längst angekommen.“
Prof. Dr. Stefan Schmidt

Dieser Beitrag soll weder der erhobene Zeigefinger sein, noch das heutige Leben als böse, gefährliche Welt darstellen. Er soll Dich liebevoll daran erinnern, dass es im Leben nicht darum geht, dem Leben mehr Zeit zu geben, sondern der Zeit mehr Leben zu geben. Dieser Artikel soll Dich dazu ermutigen, einen Gang zurück zu schalten und Deine Zeit – Dein Leben –  zu genießen.

„Wir beschleunigen das Leben, in der Angst, wir könnten es verpassen. Und indem wir es beschleunigen, verpassen wir es.“

1. Beobachte Dich und Deine Zeitfresser

zeit

Wusstest Du, dass der Mensch im Durchschnitt 29.000 Tage lebt? Lass es Dir für einen Moment auf der Zunge zergehen: Neunundzwanzigtausend.

Wie verbringst Du Deine 29.000 Tage? Wie verbringst Du Deine Lebenszeit?

Wusstest du außerdem, dass die Menschen im Durchschnitt pro Jahr…

40 Tage am Handy surfen.
50 Tage E-Mails schreiben.
120 Tage in Meetings sitzen.
1 Tag Sex haben.

(Quelle: Anitra Eggler)

Halte auch hier nochmal Inne. 40 Tage pro Jahr am Handy – und nur 1 Tag pro Jahr Sex? Was ist Dir in Deinem Leben wirklich wichtig und wie möchtest Du Deine Zeit im Leben nutzen? Wie kannst Du Deiner Zeit mehr Leben schenken?

Beobachte Dich in den nächsten Tagen und beantworte Dir ehrlich die Frage:

  • Worauf lenkst Du im Alltag Deine Aufmerksamkeit?
  • Wofür nutzt Du Deine Zeit? Scrollst Du von einem Instagram-Profil zum nächsten?
  • Klickst Du Dich von einer Netflix-Serie zur anderen?
  • Stell Dir vor, pro Tag hättest du zwei Stunden mehr Zeit zur Verfügung: Wofür würdest Du diese Zeit lieber nutzen?
  • Gibt es Gewohnheiten und Routinen, die Du aus Deinem Leben streichen kannst?
  • Welche Routinen und Gewohnheiten sind Zeit- und somit auch Lebensfresser?

2. Trainiere Deine Achtsamkeit

Schnell lassen wir uns ablenken und springen von einem Gedanken zur nächsten Sache: Beim Lesen eines Buches unterbrechen wir das Lesen, um nochmal kurz aufs Handy zu schauen. Beim Schreiben einer E-Mail stoppen wir, um mit dem Kollegen über den Vorgesetzten zu lästern, usw. Vielen Menschen ist dabei nicht bewusst, dass sie ihren Alltag im Autopilot-Modus verbringen.

Muße lässt sich nicht einschalten, aber wir können lernen, uns für sie zu öffnen – durch Achtsamkeit. Indem wir den Fokus auf das Jetzt lenken und es annehmen – ohne etwas erledigen oder erreichen zu wollen. Einfach sein. Alles was geschieht, ist in Ordnung. Achtsamkeit ist Deine Superpower gegen Hamsterräder und immer schneller tickende Uhren. Es befähigt dich dazu, das Steuer des Lebens wieder selbst zu übernehmen und zu lenken. Jeder von uns kann diese Superpower erlernen. Durch Training.

Das Aufmerksamkeitstraining ist wie Klavier lernen oder Muskeltraining. Mit genügend Wiederholung und Übung können wir unsere Aufmerksamkeitsspanne vergrößern, unseren Fokus schärfen, Klarheit erlangen und unser Energielevel bzw. Produktivität erhöhen. Aufmerksamkeit hilft Dir dabei, Deine Gedankenströme und Verhaltensmuster zu beobachten und zu durchbrechen. Aufmerksamkeit macht wach und schafft Zeit.

Achtsamkeit trainierst du durch das Lenken Deiner Aufmerksamkeit auf Deinen Atem. Dadurch entsteht Raum zwischen Deinen Gedanken. Stille, in der du beobachten kannst, welchen Gedanken und welche Verhaltensmuster aus dem Unterbewusstsein aufsteigen. Dann nehmen wir auch leisere, subtile Gedanken wahr, an denen wir normalerweise hektisch vorbei rennen. Wir geraten in einen meditativen Zustand voller Klarheit und Ruhe – im Hier und Jetzt.

Du kannst Deine Aufmerksamkeit sehr einfach im hektischen Alltag trainieren – egal ob im Bus, im Auto, auf Toilette oder im Büro: Lenke Deinen Fokus auf eine Sache. Das kann Deine Atmung sein, Dein Körper, Geräusche aus Deiner Umgebung. Bleibe mit Deiner Achtsamkeit in vollem Bewusstsein bei dieser einen Sache – ohne zu bewerten oder zu analysieren. Nimm es einfach wahr. Wenn du durch Gedanken abgelenkt wirst, nimm das liebevoll an und lenke Deine Aufmerksamkeit geduldig wieder zurück.

Du kannst auch das Handy dazu nutzen, um Deine Aufmerksamkeit zu trainieren. Jedes Mal wenn das Handy klingelt oder Du eine Nachricht erhältst, dann nutze dies als Reminder für Deine Achtsamkeit – ähnlich wie bei einem Gong während der Meditation. Greife langsam zum Handy, spüre das Handy in der Hand, das Gewicht, das Material, beobachte Deine Gedanken dabei. Diese Übung kannst Du in nur 1 Minute durchführen und mehrmals am Tag wiederholen.

Dies scheint jetzt vielleicht banal, aber ist wesentlich kraftvoller als für 30 oder 60 Minuten zu meditieren. Stell Dir vor du hast ein Blatt Papier vor Dir und sollst eine gerade Linie darauf zeichnen: Was fällt Dir wohl leichter? In einem Zug diese Linie zu zeichnen oder Punkte nebeneinander zu setzen und so die Linie Punkt für Punkt zu zeichnen? Richtig, letzteres. Und genauso ist es, wenn Du an mehreren Punkten in Deinem Alltag übst, Punkte für Punkt, Linie für Linie, Schritt für Schritt.

3. Entschleunige und mach bewusste (Offline) Pausen

schnecke

Ich fragte eine Schnecke, warum sie so langsam wäre.
Sie antwortete, dadurch hätte sie mehr Zeit, die Welt zu sehen

Julia Cameron bezeichnet Worte, Informationen und Bilder in ihrem Buch „Der Weg des Künstlers“ als winzige Beruhigungspillen.

„Wie selbstverständlich schlucken wir unsere tägliche Dosis an Neuigkeiten, die unseren Körper beschweren wie fettes Essen. Zu viel davon, und wir fühlen uns, als ob sämtliche Poren verstopft seien. Es ist paradox, aber indem wir Zerstreuung aus unserem Leben verbannen, füllen wir unseren kreativen Energiepool. Wenn wir Ablenkungen ausschalten, dann dürfen wir in die Welt der Sinne zurückkehren.

Auch Eckhart Tolle betont die Wichtigkeit von Stille:

„Zusammen bei einander sitzen, und schweigen, sich wahrhaftig verbunden fühlen. Dieses Gefühl des Mit-allen-Sinnen-da-seins, haben wir verlernt. Die meisten zwischenmenschlichen Beziehungen beschränken sich auf den Austausch von Worten, auf den Bereich des Denkens. Was uns jedoch fehlt, ist Stille. Das gilt besonders für enge Verbindungen – angefangen mit uns selbst. Wir brauchen Begegnungen jenseits des mentalen Lärms.“

Priorisiere Dich und Deine Bedürfnisse

Plane Dir ganz bewusst Pausen in Deinen Alltag, genauso wie du Termine planst oder Verabredungen triffst. Trage Dir Deine Pausen in Deinen Kalender, bevor du andere Termine planst. Nimm Dir Zeit für Stille und Langsamkeit um den Alltag bewusst zu verdauen und Deinem Körper Zeit zum regenerieren zu geben. Denn denke daran:

Zeit ist Leben! Du kannst keine Zeit, kein Leben sparen, egal wie sehr Du Dich beeilst. Du kannst nur Deine Zeit mit mehr Leben füllen.

Also frage Dich: Wie möchtest Du Deine Zeit (er)leben?


Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Katharina Thürer

katharina-thuerer

Ich bin nicht entweder oder, sondern sowohl als auch. In mir schlagen zwei Herzen: Marketing, analytisches Denken und Innovation auf der einen Seite und Spiritualität, Rituale, Tiefgründigkeit, Yoga und Kreativität auf der anderen Seite. Als Soulful Life & Business Coach vereine ich Weisheiten aus der östlichen Welt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der westlichen Welt und unterstütze Dich, diese ganzheitlich im Alltag und Beruf zu integrieren – selbstbestimmt und frei. 

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