die-vereinbarkeit-von-job-familie-und-hochsensibilitaetGastbeitrag, unbezahlte Werbung

Die Vereinbarkeit von Job, Familie und Hochsensibilität

Heute hochsensibel in einer unsensiblen Welt zu sein, ist nicht leicht. Noch dazu in einer Welt, die chronisch mit dem Höher-Schneller-Weiter-Syndrom infiziert ist, sich in der Digitalisierung verliert und dabei ist, sich selbst zu jagen. Von jedem von uns werden täglich tausend Dinge verlangt. Kleinere und größere Aufgaben und Pflichten, die jeder abzuarbeiten und zu erledigen hat. In einer Gesellschaft, in der Leistung zählt, geht Individualität schnell unter.

Wie sieht das jedoch für Menschen aus, die hochsensibel veranlagt sind und die nicht selten schon mit sich selbst ausreichend zu tun haben. Kann die Vereinbarkeit von Job und Familie auch für sie gelingen, ohne sich selbst zu verlieren oder gar auszubrennen an den Dingen, die uns das Leben in unserer Gesellschaft abverlangt?

Hochsensible Menschen leben ganz oft, schon allein aufgrund ihrer Besonderheit der Hochsensibilität an ihren Grenzen. Ihre Wahrnehmungsfilter funktionieren anders als die der meisten anderen Menschen. Bei ihnen ist die Bandbreite der Reize aller Art, die sie empfangen, wesentlich höher, weil die Filter schwächer ausgebildet sind. Sie haben eine weitaus feinere Wahrnehmung und damit ist nicht die Funktion ihrer Sinnesorgane an sich gemeint.

Hochsensible hören, sehen und fühlen nicht besser als alle anderen Menschen, sondern verfügen über ein wesentlich empfindlicheres Nervensystem, das Reize sehr viel feiner und detailreicher empfängt und an den Organismus weiterleitet, der all diese Informationen dann verarbeiten muss. Das sorgt dafür, dass Menschen mit Hochsensibilität zum Teil weitaus eher die Grenzen der Belastbarkeit erreichen als Menschen, die über „normale“ Wahrnehmungsfilter verfügen. Sie sind schneller erschöpft, brauchen häufiger Pausen und auch überdurchschnittlich lange Zeit, um sich zu regenerieren.

Einzigartig hochsensibel, aber dennoch nicht allein

Jeder hochsensible Mensch ist auf seine eigene Weise hochempfindlich. Keiner von ihnen kann sich mit einem anderen Hochsensiblen vergleichen. Auch nicht in dem, was ihre daraus resultierenden besonderen Bedürfnisse nach Rückzug oder Auszeiten ausmacht. Doch sprechen wir hier nicht von einigen wenigen Menschen, die diese Veranlagung in sich tragen. Insgesamt sind 15 – 20% der gesamten Menschheit davon betroffen. Allein in unserem Land sind das durchschnittlich 14.000.000 Menschen. Das heißt, dass in etwa jeder Fünfte bis Sechste von uns hochsensibel ist. Das klingt nicht wenig. Da kann man ruhig das nächste Mal durchzählen, wenn man sich an einem Ort im öffentlichen Raum mit vielen Menschen befindet.

Und es kommt noch faszinierender: Jede Kultur ist gleichwertig betroffen. Auch gibt es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Es gibt ebenso viele hochsensible Männer wie Frauen. Selbst bei Tieren haben Forscher die Begabung der Hochsensibilität nachweisen können, etwa bei Hunden, Katzen und Pferden. Auch einige Fisch- und Nagetierarten weisen dieses Phänomen auf, in eben demselben Prozentsatz wie bei uns Menschen.

Die Forschung geht davon aus, dass es für das Überleben einer Art wichtig ist, dass es genau diese Anzahl hochsensibler Wesen gibt, die mehr wahrnehmen und über feinere Sinne verfügen, um Gefahr eher wahrzunehmen. Das sind die Wesen, die frühzeitig Alarm schlagen, wenn die Gruppe in Ruhe frisst, sich ausruht oder sich um den Nachwuchs kümmert. Sie nehmen über ihre ausgeprägte Intuition und feinen Antennen wahr, wenn sich etwas nähert, das zur Gefahr werden kann. Wahrscheinlich haben sie auch eher ein Gespür dafür, was beispielsweise gefressen werden kann oder ob Wasser trinkbar ist, ohne dass sich jedes Mal zur Not ein Wesen opfern muss, um dies zu erfahren.

tier-hochsensibel

Warum allerdings auch der Mensch als Spezies noch immer über hochsensible Artgenossen verfügt, obwohl er der Natur nicht der mehr so nahe ist, dass diese Veranlagung für ihn noch von Nutzen wäre, bleibt bisher fraglich. Die meisten hochsensiblen Menschen empfinden den Zustand der Hochsensibilität sicher eher als Nachteil. Gerade weil uns unsere Gesellschaft in unserem Leben viel abverlangt. Dinge, die die hoch empfindsamen Menschen so nicht leisten können bzw. nur unter erheblichem Stressniveau.

Doch vielleicht gibt es sie auch gerade deswegen noch: Weil sie unserer Gesellschaft irgendwann die Augen öffnen. Weil sie mit ihrer überaus empathischen Art, einem ausgeprägten Sinn für soziale Gerechtigkeit und ihrer wesentlich geringeren Belastbarkeit der Menschheit ihre Grenzen aufzeigen und irgendwann zurückführen zu lebbaren und für uns alle verträglichen Strukturen.

Wie alle anderen, nur anders

Doch trotz aller Hochsensibilität kommt den dazu veranlagten Menschen hierzulande, im Gegensatz zu vielen indigenen und naturverbundenen Völkern, keine besondere Stellung mehr zu. Ganz im Gegenteil. Egal, wie sensibel ein Mensch ist, müssen wir alle dasselbe leisten. Eine emotionale Hochbegabung findet keine Berücksichtigung oder Schonung. Daher ist die Herausforderung, Familie und Beruf unter seinen Hut zu bekommen, gerade für hochsensible Menschen besonders groß, die zu einem großen Teil selbst nicht-hochsensible Menschen an ihre Grenzen bringt.

Hochsensibilität, das sei vorweg gesagt, ist weder eine Krankheit noch eine psychische Störung. Daher wird es eher als Phänomen bezeichnet und irgendwie ist sie das tatsächlich. Sie ist eine Gabe, die die meisten dazu Veranlagten als solche nicht schätzen können, weil sie in einer Gesellschaft leben, die derartige Besonderheiten nicht berücksichtigt oder würdigt.

So wie uns ständig im Außen suggeriert wird, dass wir alle möglichst schlank, groß, adrett und mit makellosem Teint daherkommen müssen, um erfolgreich zu sein, wird uns ebenso durch die Massenmedien vorgegaukelt, dass wir alles zu jeder Zeit im Griff haben müssen, immer am Tun sind und neben Job und Familie noch zig Hobbys unterhalten, die wir mit Leidenschaft und Hingabe regelmäßig ausfüllen.

Für Schwäche ist kein Platz. Auch nicht für die Schwächen, die eigentlich Stärken sein können, wenn die richtigen Bedingungen herrschen. Doch um optimale Bedingungen geht es schon lange nicht mehr. Zumindest nicht für das Individuum.

Sensibilität als ungewollte Gabe

Auch ich bekomme das täglich zu spüren. Obwohl ich inzwischen bereits seit vielen Jahren um meine Hochsensibilität weiß, habe ich dennoch einige Zeit weitergemacht wie zuvor, einfach weil ich dachte, dass es ausreicht zu wissen, dass ich hochsensibel bin und deswegen anders funktioniere als die meisten Menschen um mich herum. Und weil ich glaubte, mir nicht erlauben zu können, ich selbst zu sein mit all den Aspekten, die zu mir gehören. Viel zu oft erleben Hochsensible Unverständnis und Missbilligung aufgrund ihrer Art anders zu sein.

wie-alle-anderen-nur-anders

Wie gern würde auch ich meine 40 Stunden pro Woche in meinem Beruf ableisten und dabei jeden Nachmittag gut gelaunt und energiegeladen nach Hause kommen, um dann in vollen Zügen meine Freizeit mit meiner Familie zu genießen. Gemeinsam kochen, mich bei den Hausaufgaben einbringen, Termine wahrnehmen, die Natur genießen, mich mit Freunden treffen. Was viele Menschen anscheinend so tun in ihrem Leben. Was mir jedoch trotzdem nicht möglich ist, so sehr ich es auch wollte und mich darum bemühte.

Nicht selten komme ich nach Hause, bin geschafft und überreizt vom Tag. Das frühe Aufstehen passt nicht in meinen Bio-Rhythmus. Neben dem Kümmern um mich selbst, ist auch mein Kind zu versorgen und in den Tag zu schicken. Auf dem Weg zur Arbeit sind allein die vollen öffentlichen Verkehrsmittel für mich Stress pur, und das schon morgens. Ich komme dann in mein Büro und muss mich dort erst einmal etwas zurückziehen, um wieder zu mir selbst zu kommen.

Durch meinen Beruf bin ich täglich mit vielen Menschen umgeben. Ich mag meinen Job, und gleichzeitig saugen mich die vielen Sozialkontakte über den Tag hinweg aus als würde man ein Handy bei -20°C in die Kälte legen und dabei zusehen können, wie der Akku an Energie verliert. In einer Welt, in der heute jeder etwas Besonderes sein möchte, gehört ausgerechnet gesteigerte Sensibilität nicht zu den gewünschten herausragenden Merkmalen.

Wie mir ein Buch die Augen öffnete

Ich machte also weiter wie bisher, quälte mich durchs Leben, versuchte Schritt zu halten und mich an den Menschen um mich herum zu orientieren, was man leisten muss, wenn man „normal“ ist, um Familie und Job unter einen Hut zu bringen. Doch der Preis war hoch: Ich zahlte mit meiner Seele und damit mit all meiner Zufriedenheit, meiner Lebensfreude. Das Augen-zu-und-durch-Prinzip hat sich nicht bewährt. Es kann sich überhaupt nicht bewähren, weil es von einem verlangt, dass man sich selbst komplett ausblendet und nur noch wie eine Marionette funktioniert.

Das Verrückte daran ist, dass man sich selbst in dieser Situation hilflos und als Opfer der Umstände fühlt. Man ist ausgelaugt, kaputt, müde und hat Bedürfnisse, die zu hören man sich nicht erlaubt. Wie ein Duracell-Häschen, an dem jemand permanent die erlahmenden Batterien austauscht, trommelt man weiter und weiter und weiter. Doch kreiert man sich diese Welt und diese Sicht auf das eigene Leben selbst. Durch das eigene Denken und Empfinden. Und alles nur dadurch, dass man sich von sich selbst abschneidet. Den Kontakt zum eigenen Sein unterbricht.

Mir fiel damals ein Buch über Hochsensibilität in die Hände, so wie es die für uns wirklich wichtigen Bücher scheinbar immer tun: Sie finden uns statt wir sie. Es war eines der Standardwerke zum Thema Hochsensibilität. Die Tiefenpsychologin und Autorin Elaine N. Aron schrieb darin folgenden Absatz, der mir die Augen öffnete:

Für eine HSP (steht für hochsensible Person) kann es frustrierend schwer sein, ein angemessenes, gesundes und glückliches Leben zu führen. Wir müssen mit großem Druck zurechtkommen, wobei 80% aller Menschen um uns herum keine HSP sind und anders leben können. Aber wenn wir uns ihrem Stil anpassen und uns gegen unsere Sensibilität auflehnen, geht es wieder zurück auf Los: Wir leiden, wenn wir unsere sensible Art nicht berücksichtigen.

Es werde Licht

Und plötzlich wurde es hell. Seit diesem Tag hat der Ausspruch „Mir ist ein Licht aufgegangen“ eine völlig neue Bedeutung für mich. Fernab der ganzen Positiv-denken-Bewegung und all den Texten darum, dass man seine Hochsensibilität als besondere Begabung erkennen soll, sprach endlich mal jemand, der um das Thema wusste, aus, dass es auch schwer sein kann, hochsensibel zu sein. Dass es kein Vergnügen ist, so schnell und so oft innerhalb eines Tages mit seinen eigenen Grenzen konfrontiert zu sein. Und dass es wohl auch immer ein Spagat sein wird zwischen dem, was man leisten möchte und dem, was man leisten kann. Und das privat als auch beruflich.

Hochsensible Menschen suchen sich nicht aus hochsensibel zu sein. Sie sind es, weil sie damit geboren werden. Es gibt keine Möglichkeit Hochsensibilität abzulegen oder die Wahrnehmungsfilter zu trainieren anders zu funktionieren. Leider ist der Prozentsatz derer, die diese Begabung gern abgeben würden, zumindest in den Industrieländern und Leistungsgesellschaften, sicherlich relativ hoch. Doch auch das ist natürlich nicht möglich.

Hochsensible haben dann in ihrem Leben nur zwei Möglichkeiten: Die Besonderheit, mit der sie die Natur ausgestattet hat zu ignorieren und zu versuchen zu sein als wäre man nicht hochsensibel, um nicht aufzufallen und alle Anforderungen zu erfüllen, die das tägliche Leben an uns alle stellt. Oder sie können lernen zu akzeptieren, dass sie sind wie sie sind mit allen Aspekten, die ein hochsensibles Leben mit sich bringt.

6 Tipps, um Familie, Beruf und Hochsensibilität unter einen Hut zu bekommen und Dich selbst nicht zu verlieren

Wenn Du die zweite Möglichkeit wählst und Dir selbst und Deiner Hochsensibilität näher kommen möchtest, habe ich hier ein paar Tipps für Dich, die Dir im Alltag zwischen Familie, Beruf und Deinem eigenen hochsensiblen Wesen helfen sollen, Dich ein wenig zu regulieren und achtsamer zu werden im Umgang mit Dir selbst.

1. Vergleiche Dich nicht mit Anderen

Den größten Fehler, den Du machen kannst, ist es, Dich mit anderen Menschen in Deinem Umfeld zu vergleichen. Das macht für niemanden Sinn, doch für hochsensible Menschen noch viel weniger, weil sie nicht funktionieren, wie die meisten um sie herum. Ein Nicht-hochsensibler kann kein Maßstab sein für einen überaus empfindsamen Menschen. Es frustriert unnötig, ohne an dem Aspekt der hohen Sensibilität und ihren Auswirkungen für jeden einzelnen dazu Veranlagten etwas zu ändern.

Vergleiche machen Dich kaputt und geben Dir unentwegt ein Gefühl des Nichtkönnen, des Nicht-richtig-seins und des Nicht-gut-genug-seins. Orientiere Dich an nur Dir, indem Du Deinen eigenen Ziele verfolgst und sie in handhabbare kleine Teilziele zerlegst. Das gilt für das Berufs- als auch für das Privatleben.

2. Nimm Dich an, wie Du bist

Du kannst ausschließlich nur Du selbst sein. Alle anderen gibt es ja bereits. Mach Dich auf den Weg, beginne die Reise Deines Lebens, nämlich zu Deinem wahren Selbst. Finde Dich, indem Du herausfindest, was Du brauchst und wie Du leben möchtest. Sei, wer Du wirklich bist. Setze Deine eigenen Maßstäbe für Dein Leben, Wirken und Leisten und übernimm damit wieder die Verantwortung für Dein eigenes Leben.

nimm-ich-an-wie-du-bist

Überlass nicht anderen Menschen, wie Du Dich fühlst, denn das führt nirgendwohin und macht unsere Seele krank. Nur Du selbst bestimmst darüber, wie oder mit was Du Dich wohl oder unwohl fühlst. Niemand kann Dir das abnehmen

3. Sei achtsam und liebevoll mit Dir selbst

Geh zu jederzeit sorgsam und liebevoll mit Dir selbst um. Und vor allem erwarte nicht, dass Andere diesen Part für Dich übernehmen. Sei dankbar, wenn dies jemand tut und Dich damit bestärkt und unterstützt, aber verlass Dich nicht darauf. Nur Du allein weißt, was Du brauchst und nur Du kannst Dir das auch geben.

Sei achtsam und bleibe stets bei Dir. Sei präsent in Deinem Körper, aufmerksam im Hier und Jetzt. Ein Kleiner Trick kann Dir dabei helfen: Frage Dich tagsüber so oft Du kannst „Was macht das gerade mit mir?“. So legst Du Gewahrsein in Dein Tun und Sein. So checkst Du regelmäßig ab, wo Du Dich gerade befindest mit Deinem Stresslevel, um zu vermeiden, in einen Zustand der Überreizung und emotionalen Überforderung zu verfallen. Das gilt es ein wenig zu trainieren. Achtsamkeit funktioniert wie ein Muskel: Je öfter man ihn beansprucht, desto stärker wird er.

4. Das mentale Notfall-Päckchen

Finde heraus, was Dich entspannt und packe Dir somit ein kleines mentales Notfall-Päckchen zusammen, dass Du möglichst jederzeit anwenden kannst. Das können zum Beispiel Atemübungen sein. Tiefes Atmen bis in den Bauch hat innerhalb weniger Sekunden eine unglaublich entspannende Wirkung. Vielleicht ist es aber auch ein Mudra, das Dich positiv beeinflusst, ein Duft aus einem Fläschchen mit einem ätherischen Öl oder aber auch eine bestimmte Musik.

Geh viel und regelmäßig raus an die frische Luft und in die Natur. Gönne Dir Zeiten, in denen Du auf mediale Einflüsse bewusst verzichtest. Räume Dir jeden Tag eine bestimmte Zeit nur für Dich selbst ein, in der Du etwas nachgehst, das nur mit Dir zu tun hat und das Du wirklich liebst: Malen, Zeichnen, Schreiben, ein Instrument spielen, Yoga, Meditation oder ein Wannenbad. Und seien es auch nur 20 – 30 Minuten, die Du da für Dich beanspruchst.

Vielleicht aber tut Dir auch eine auf Deine Bedürfnisse ausgerichtete Morgen- bzw. Abendroutine gut. Probiere Dich aus. Allein das wird Dir schon Spaß machen und Freude bereiten. Nichts davon ist je in Stein gemeißelt. Du darfst Dich frei fühlen, ein wenig experimentieren und bei Bedarf auch immer wieder neu an Dich und Deine Bedürfnisse anpassen.

5. Setze Grenzen

Setze gesunde und ausgewogen Grenzen, die sich vor allem auch an Deinen Bedürfnissen orientieren. Scheue Dich nicht, auch mal „Nein“ zu etwas zu sagen, das Dir nicht behagt oder was Du gerade nicht leisten kannst, ohne dadurch in Stress zu geraten. Verfalle nicht in Perfektionismus, sondern bleibe realistisch mit gesetzten Zielen. Oft denken wir Hochsensiblen, wir sind nicht gut genug und neigen dabei dazu 130% zu leisten, während niemandem auffallen würde, wenn wir lediglich 80% geben, weil wir auch dann noch gut sind.

Das gilt beruflich als auch privat. Weniger ist hier oftmals mehr. Schau genau hin, an welchen Stellen in Deinem Leben Du oft mehr machst als nötig. Dinge, die Du getrost weglassen kannst, um mehr Raum für Dich selbst zu schaffen, um dann wiederum entspannter in Deinem Job agieren zu können und gelöster mit Deiner Familie Zeit verbringen zu können, ohne dass auch diese zur reinen Pflicht gerät.

6. Nimm Unterstützung an

Du musst auch nicht alles allein bewältigen. Hochsensible Menschen neigen dazu beweisen zu wollen, dass sie genauso gut sind wie alle anderen und verweigern dann oft Unterstützung oder zeigen erst gar nicht an, Hilfe zu benötigen. Das ist sehr schade, denn meistens gibt es davon mehr als auf den ersten Blick wahrnehmbar.

Lass Dich von Familienmitgliedern unterstützen oder aber auch von Deinen Kinder – natürlich alles altersgemäß. Doch wenn man zusammen lebt, sollte natürlich auch jeder seinen Anteil haben. So können auch Kinder schon kleine Tätigkeiten im Haushalt übernehmen. Das hilft gleichzeitig den eigenen Perfektionismus etwas herunterzuschrauben, der Hochsensiblen so oft im Weg steht und trotzdem etwas gemeinsam zu tun. Zumal uns Kinder zeigen, welches Tempo das Leben auch haben kann. Sie kennen keine Uhr, keine Leistung, keinen Druck.

unterstuetzung

Oder bitte Kollegen um Unterstützung, wenn Du merkst, dass Du gerade eine Auszeit brauchst. Traue Dich danach zu fragen. Auch das hat etwas mit Selbstverantwortung und Selbstkompetenz zu tun, die auf dem Weg zu Dir selbst unglaublich wichtig sind.

Du bist richtig

Und vergiss niemals: Du bist gut so wie Du bist. Du brauchst von nichts mehr und auch nicht weniger. Alles ist richtig an Dir, so wie es ist. Du bist perfekt, egal was Dir jemals jemand über Dich gesagt hat. Halte nicht länger an alten Erfahrungen und alten Wunden fest. Lass die Vergangenheit ruhen und blicke nach vorne. Du bist erwachsen und bist in allen Aspekten verantwortlich für Dein eigenes Leben. Niemand kann Dir das abnehmen. Allerdings hast Du allein natürlich für Dich die Wahl zwischen einem zufriedenen und erfüllenden und einem unglücklichen Leben.
Wie also wirst Du Dich entscheiden?

Damit will ich nicht sagen, dass es immer einfach sein wird, aber es wird immer sein. So viel steht fest. Nur wie es sein wird, das entscheidest Du. Nur Du. Also glaube an Dich und pass gut auf Dich auf.


Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Jana Kolbusa

jana-kolbusa

Ich bin Jana, selbst hochsensibel und Mutter. In meiner Tätigkeit als Dipl.-Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin, Entspannungspädagogin sowie Meditations- und Achtsamkeitslehrerin, unterrichte ich an einer Schule für Sozialwesen und schule junge Menschen unter anderem im Rahmen des Unterrichts darin, sich selbst achtsam zu begegnen, um sich damit gewappnet einem Berufsleben zu nähern, das ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit viel abverlangen wird.

Nebenbei schreibe ich auf meinem Blog auf lautestille.de über die Themen Achtsamkeit, Meditation, Hochsensibilität, Selbstwirksamkeit, Selbstmitgefühl und natürliche Körperpflege ohne Chemie, um Menschen eine Alternative und Inspirationen zu bieten, sich selbst anzunehmen und mit dem eigenen Sein im Einklang zu leben.