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Verantwortungsvolle Eltern – über Stress, Bedürfnisse und Ressourcen

Elternschaft ist eine große Herausforderung. Sie war es schon immer und jede Epoche hat ihre ganz eigenen Herausforderungen. War vor einigen Jahrzehnten, in Europa, zum Beispiel die Versorgung mit gesunder/ ausreichender Nahrung eine große Herausforderung – durch die Armut der Kriegs-/Nachkriegszeit, so stehen wir heute vor anderen Problematiken.

Heutzutage geht es (größtenteils) zum Glück nicht darum, ob der Kühlschrank gefüllt ist, oder wir ein Dach über den Kopf haben. Heute sind wir gestresst und besorgt weil wir Familie, Beruf, Partnerschaft, Alltag irgendwie managen müssen und oft außer unserem Partner keiner da ist, der uns unterstützen könnte.

Die Tage rasen dahin. Die Kinder sind nur noch anstrengend. Die Müdigkeit ist so schwer, dass jegliche Kommunikation auf das nötigste beschränkt wird und obwohl Eltern jeden Tag darum bemüht sind, alles unter einen Hut zu bekommen und To-Do Listen abhacken, dreht man sich im Kreis und der Stress wird immer größer. Denn eines bleibt meist auf der Strecke: DU.

Keine eigene Zeit

Wir haben keine Zeit um uns um uns selbst zu kümmern. Wir tun und machen. Doch meist für Andere. Erledigen Besorgungen, haben Verpflichtungen, schlichten Streit, trösten, pusten, helfen, diskutieren. Das kostet eine Unmenge Kraft. Und auch wenn Mutter Natur uns anfangs mit einer Extra-Portion Elternsstärke ausgestattet hat, so macht sich im Laufe der Zeit der Stress doch bemerkbar.

Wir sind vielleicht schnell gereizt. Lärmempfindlich. Genervt. Fühlen uns, als wenn wir am liebsten auf einer einsame Insel Zuflucht suchen wollen. Weg vom Stress. Weg vom Alltag. In meinen Augen sehr gut nachvollziehbar. Und ich selbst kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als ich mich am liebsten auf eine Insel verdrücken wollte. Mein Alltag war nur noch anstrengend. Mein Körper auf Dauerstress eingestellt. Es reichte schon eine Kleinigkeit und meine Stimmung kippte.

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Ich fing an zu überlegen. Denn eines war mir klar – SO wollte ich nicht sein. Ich wünschte mir eine entspannte Mama zu sein, die umgekippte Gläser nicht als Weltuntergang empfindet. Ich wollte für mich mehr Ruhe und Ausgeglichenheit. Ich wollte mit meinen Kindern lachen, anstatt sie gefühlt ständig anzumeckern.

Erkenntnisse

Und nach einiger Zeit, wurde mir klar, warum ich mich so fühlte. In all der Zeit die ich jeden Tag zur Verfügung hatte, gönnte ich mir kaum eine kraftspendende Pause. Ich ging immer wieder über meine Grenzen und ignorierte meine Bedürfnisse. Denn die Kinder – DIE waren doch wichtiger. Oder der Haushalt. Oder die längst überfälligen Unterlagen, die sortiert werden mussten.

Dabei vergass ich das essentielle was meine Kinder brauchen – nämlich eine gesunde, ausgeglichene Mutter, die Verantwortung für sich übernimmt. In einer Bedürfnisorientierten achtsamen Elternschaft ist das für mich einer der wichtigste Punkte überhaupt.

Und wahrscheinlich kennt der ein oder andere die Sicherheitsanweiseungen im Flugzeug, sich die Sauerstoffmaske zuerst aufzusetzen und erst dann seinem Nachbarn? Genau das sollten wir auch im Alltag beachten. Denn woher sollen wir die Kraft nehmen, für durchwachte Nächte, Entwicklungsphasen, Dauerstillen, oder Rockzipfel-Anhäger, wenn wir uns nicht selbst darum kümmern?

Egoismus

Ein Begriff der häufig negativ belegt ist. Doch das brauchen wir als Eltern. Egoistisches Verhalten, um Ressourcen zur Verfügung zu haben, damit wir uns um unsere Kinder kümmern können. Sie begleiten können in ihren Entwicklungsphasen. Nicht irgendwie, sondern wertschätzend, liebevoll und achtsam.

Damit meine ich nicht, dass wir anfangen sollen nur noch unsere Wünsche durchzusetzen, oder etwas erzwingen, was vielleicht im Moment nicht machbar ist. Was ich damit meine ist, dass wir für uns selbst Verantwortung übernehmen. Für unser Wohlbefinden. Für unser Handeln. Es ist nicht der Wäscheberg, der Abwasch, das umgekippte Glas, oder die streitenden Kinder, die uns aus Kraft kosten. Es ist unser Blick darauf. WIE wir diese Situationen empfinden. Und WIE wir dann damit umgehen.

Je fürsorglicher und achtsamer wir mit uns selbst umgehen, desto entspannter sind wir als Eltern. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn unser Gehirn, das zeigen Untersuchungen aus der Neurobiologie, reagiert in Stresssituationen immer mit drei möglichen Reaktionen: Flucht – Kampf – Tot stellen (Einfrieren). Stress bedeutete in der Steinzeit normalerweise immer Gefahr und unser altes Gehirn (das nicht weiß, dass wir im 21. Jahrhundert leben!) reagiert in Stresssituationen immer noch gleich.

Es macht keinen Unterschied ob ein Säbelzahntiger vor uns steht, oder die Milch umgeschüttet wurde. Stress ist Stress für unser Gehirn. Die umgekippte Milch wird zum Säbelzahntiger. In Stresssituationen sind wir nicht in der Lage abzuwägen und unsere Handeln zu planen. Wir empfinden unsere Umwelt als Stress. Wir reagieren einfach. Wir können dafür in diesem Sinne auch nichts. Was wir aber tun können, ist für uns so gut zu sorgen, dass wir uns nicht im Dauerstress befinden.

Möglichkeiten finden und Raum schaffen, in dem wir entspannter und achtsamer reagieren können

Vielleicht helfen Dir diese Fragen, um herauszufinden wo dein größter Stressfaktor sitzt und was Du im Alltag brauchst:

  • Wie will ich in (herausfordernden) Situationen reagieren?
  • Wo in meinem Tag spüre ich die größte Anspannung?
  • Welches Bedürfnis ist unerfüllt?
  • Wie kann ich mir diese unerfüllten Bedürfnisse erfüllen?
  • Was tut mir gut?

Wenn wir diese Fragen beantwortet haben, kann es passieren, dass wir erstmal vor neuen Herausforderungen stehen, weil es nun an die Umsetzung geht. Und ich möchte dich bitten, hierbei nicht alleine zu bleiben, sondern zum Beispiel mit deinem Partner gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Oder mit einem guten Freund. Oder den Großeltern. Oder vielleicht auch in einem professionellen Rahmen.

Denn meistens ist hier ein ganz großer Stressfaktor versteckt – das wir uns alleine fühlen in unserem Alltag als Mutter, oder Vater. Kinder zu begleiten ist nichts, was wir alleine schaffen können. Auch wenn es uns immer wieder suggeriert wird.

„Wir brauchen als Eltern ein Netz, das uns trägt, damit wir die tragen können, die unsere Unterstützung und Begleitung brauchen!“

Es gibt mittlerweile ganz wunderbare Angebote, die uns Eltern unterstützen, auch wenn wir nicht im Mehr-Generationen-Haus leben. Hier habe ich für meinen Umkreis ein paar Angebote raus gesucht und viele Angebote gibt auch es deutschlandweit. Natürlich ist nicht immer ein Netzwerk zur Hand und es ist in der Realität meist so, dass unter der Woche ein Elternteil allein für die Kinder sorgt.

Tipps für den Alltag

Zum Schluss möchte ich Dir gern noch ein paar kleine Impulse mitgeben, die vielleicht Deinen Blickwinkel verändern können, Dir Kraft schenken und deine Ressourcen stärken. Damit Du jeden Tag etwas kleines tun kannst, dass Dein Gehirn aus der Stressfalle herausholt.

  • Nutze Pausen, wenn Du merkst du brauchst eine! Nichts kann so wichtig sein, dass Du jetzt unbedingt noch den Haushalt erledigen müsstest.
  • Strukturiere Deinen Tag – bespreche ihn mit deinem Partner (Wo kann er oder sie dich unterstützen?) und plane auch Zeit für dich ein!
  • Nehme regelmäßig ganz bewusste, tiefe Atemzüge. Schließe dabei auch kurz die Augen. Vielleicht kannst du eine Erinnerung auf dem Handy dafür einstellen, oder einen liebevollen Hinweis-Post-it für Dich selbst irgendwo anbringen (auf dem Klo, in der Küche, im Badezimmer…)
  • kleine Spaziergänge, auch mit Kindern, können uns wieder Kraft schenken. Vielleicht kannst du daraus auch eine kleine Achtsamkeitsübung machen: Schleicht wie die Indianer. Versucht keinen Laut zu machen. Geht ganz langsam und bedacht. Fühle dabei jeden Schritt ganz bewusst. Versuch die ganze Aufmerksamkeit in den Fuß zu bringen – Was für ein Untergrund kannst du spüren? Wo berührt der Fuß zuerst den Boden? Merkst Du Unterschiede auf dem Boden? Atme mit jedem Schritt ein – und aus.

spaziergang

  • Spielzeit mit den Kindern. Du magst Rollenspiele, basteln, malen, oder vielleicht auch elektronische Spiele (PC, Playstation etc.)? Macht das doch immer wieder gemeinsam, was euch zusammen Spaß macht. Auch das ist eine Pause und verbindet dich gleichzeitig mit Deinem Kind.
  • Genieße Exklusivzeit für Dich. Es ist gut, wenn wir mit unseren Kindern Möglichkeiten haben um aufzutanken, doch manchmal brauchen wir auch Dinge, die wir alleine tun können. Wenn der Fokus sozusagen nur auf uns selbst liegt. Was tut Dir dann gut? Was würdest Du gerne mal wieder NUR für DICH tun?
  • Verabredet euch. Kocht euch abends extra was leckeres zuhause. Sprecht miteinander. Habt Sex. Ihr seid miteinander Eltern geworden und steht meist vor ähnlichen Herausforderungen. Unterstützt euch gegenseitig. Sprecht über Wünsche, Bedürfnisse, Grenzen. Seid füreinander da.
  • Wenn du vor der Frage stehst, was Du jetzt tun sollst: Pause machen, oder Wäsche zusammen legen, entscheide dich ganz bewusst FÜR die Pause oder auch FÜR das Wäsche zusammen legen. Nichts ist auf Dauer kräfteraubender als immer wieder Dinge zu tun, die wir eigentlich gar nicht tun wollen…
  • Nehme Deine Bedürfnisse wahr und ernst. Hunger? Durst? Pippi? Frage Dich immer wieder selbst, wie es dir geht. Iss und trink regelmäßig (vielleicht mit deinem Kind zusammen?!) Geh aufs Klo wenn du musst.
  • Ganz zum Schluss: Nimm dich wichtig. DU bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. DU hast die Fäden für dein Leben in der Hand. DU darfst Verantwortung für dich übernehmen.

Wir geben jeden Tag, das beste was wir tun können. Das sollte uns trotzdem nicht daran hindern, unser Handeln zu hinterfragen, wenn wir merken, dass es gerade nicht gut läuft. Das wunderbare daran ist, dass unsere Kinder sehen und spüren, dass wir Verantwortung übernehmen. Verantwortung für die Beziehung zu ihnen. Verantwortung für ihr Wohlbefinden. Verantwortung für das eigene Leben.

Ein Faktor zum lernen und wachsen. Jeder für sich. Und gemeinsam.


Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Maria Abel

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Ich bin Maria, Ehefrau und Mama von zwei Jungs und einem Sternchen, examinierte Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, seit Sept. 2017 zertifizierte Kursleiterin für Kinder-Besser-Verstehen Kurse und Eltern-Familienberaterin i.A.

Ich bin mir sicher, dass unsere Welt nur davon profitieren wird, wenn wir achtsam sind und wahre Liebe in uns tragen und nach außen geben. ♥