umschalten-statt-abschaltenGastbeitrag

Umschalten statt Abschalten – So minderst Du Dein Stressempfinden wirklich!

„Schalt doch mal ab!“ Diese Aussage hören viele gestresste Menschen. Aber bringt ihnen das was? Ganz im Gegenteil. Denn meistens sind sie frustriert und genervt. Es entsteht ungewollt noch mehr Stress. Derjenige, der die Aussage trifft meint es in der Regel gut. Aber was heißt das eigentlich – Abschalten?

„Schalt doch mal ab!“

Etwas ganz aus dem Kopf bekommen ist anstrengend und fast unmöglich. Wenn uns jemand sagt, dass wir abschalten sollen, gelingt es uns in der Regel nicht. Ganz im Gegenteil. Das kennst Du bestimmt auch, wenn du gerade gestresst bist und Dein Partner, Deine Freundin oder wer auch immer sagt: „Schalt doch mal ab.“ Dein Gedanke ist nur: „Wie soll das gehen?“ Oder „Toller Rat, du Schlaumeier.“

Unser Gehirn funktioniert so einfach nicht! Wir können nicht von einem zum anderen Moment anstrengende Gedanke einfach so verschwinden lassen, als wären sie nie da gewesen. Wir springen eher von einem Gedanken zum nächsten und zu nächsten. Das kann unser Gehirn. Beschäftigen wir uns intensiv mit einem Thema, wird es uns längere Zeit nicht loslassen.

Und dann gibt es auch noch folgenden Effekt: Wir versuchen ein Thema „abzuschalten“ und es unbedingt loszuwerden und konzentrieren uns dann aber erst recht darauf. Wenn wir etwas nicht mehr wollen, ist es das Gleiche, als wenn wir etwas unbedingt wollen. Unser Fokus haftet auf dieser einen Sache.

Das ist wie, wenn wir nicht an etwas bestimmtes denken wollen, denken wir erst recht daran. Du kennst das Beispiel mit dem rosa Elefanten? Denke nicht an einen rosa Elefanten – jetzt. 😉 elefant

Abschalten erhöht das Stressempfinden

Das Prinzip mit dem Abschalten ist das gleiche. Du nimmst Dir vor von einem bestimmten Thema abzuschalten und Dein Fokus landet genau dort. Die meisten Menschen empfinden das Thema dann noch intensiver und die Gedanken noch anstrengender. Dieses Empfinden ist ganz normal, weil die gesamte Energie darauf verwendet wird, doch endlich mit dem Denken an diese eine Sache aufzuhören.

Aber es funktioniert nicht. Wir verkrampfen uns. Warum das Abschalten das Stressempfinden erhöht liegt damit auf der Hand. Hören wir „Schalt doch mal ab“ sind wir schnell auf 180, bauen vielleicht sogar eine Mauer um uns herum auf, sind wütend, traurig oder fühlen uns angegriffen. Wir reagieren so emotional, weil wir unbewusst nicht wissen, wie wir abschalten sollen. Dabei ist es einfach nur ein Wort! Ein Begriff. Aber in jedem Wort liegt eine Bedeutung.

„Fahr doch mal in den Urlaub!“

Noch so eine Aussage. Wir könnten wegfahren. Ja, aber bringt uns das wirklich etwas? Vielleicht können wir für den Moment loslassen, weil wir uns auf die neue Umgebung konzentrieren. Es fällt uns woanders leichter „abzuschalten“ von Themen, die uns zuvor belastet haben, eben weil sich die Energie auf andere Dinge konzentriert. Wir sind die Belastung dann für den Moment los.

Aber was passiert, wenn wir zurück sind? Wir können ja nicht ewig im Urlaub bleiben. Wir sind in unserer gewohnten Umgebung zurück und unser Unterbewusstsein hat ganz gewiss nicht die lästigen Gedanken und Anstrengungen vergessen. Spätestens wenn eine klitzekleine Sache – ein Wort, ein Bild, ein Geruch, eine Berührung, ein Geschmack – mit der Belastung in Verbindung gebracht wird, ist es wieder da: das Gedankenkarussell beginnt von vorn.

Da glaubst du, jetzt ist alles gut und dann kommt alles mit voller Wucht zurück. Warum? Weil das Thema nicht durch ist – zumindest nicht für Dich. Und weil Du nicht bewusst in den Urlaub gefahren bist!

Und an dieser Stelle fragen sich die meisten: „Warum bin ich weggefahren? Das Geld hätte ich mir echt sparen können. Das hat überhaupt nichts gebracht.“ Und das ist nicht wahr. Ganz im Gegenteil. Die Auszeit hat etwas gebracht: Du kamst wieder zu etwas mehr Energie und das ist extrem wertvoll.

Mein Tipp: Energietanken und Loslassen

Das ist super, mach das! Denn Du kommst endlich mal auf andere Gedanken und gewinnst Abstand. Aber fahre bewusst! Du weißt jetzt, wenn Du wegfährst wird Dein Problem nicht gelöst sein, sobald Du zurück bist. Aber Du kannst in der Zeit loslassen und Energie tanken.

Fahre bewusst weg zum Energietanken und Loslassen und sei Dir genauso bewusst, dass wenn Du daheim bist, sich dein Problem nicht in Luft aufgelöst hat. Aber Du kannst mit neuer Energie und neuen Gedanken daran arbeiten.

Umschalten – die bessere Wahl?

Umschalten ist ein anderes Wort mit einer komplett anderen Bedeutung als Abschalten. Wie oben beschrieben, funktioniert unser Gehirn, in dem es von einem zum nächsten Gedanken springt. Schalten wir um, bedeutet das nichts anderes als einen anderen Gedanken zu fassen.

Also gehen wir den Weg des geringsten Widerstandes – wir gehen mit unserem Gehirn. Ist doch viel einfacher als uns immer wieder dagegen zu wehren – oder? Nehmen wir uns vor einen anderen Gedanken zu denken, kann auch das schwer werden, weil die alten Gedanken sich immer wieder einmischen. Richtig?

Mein Tipp: Wende zuerst die Gedanken-STOPP-Methode an!

Bevor Du einen neuen Gedanken fassen möchtest, um Abstand zu deinem lästigen Thema zu gewinnen, wende die Gedanken-STOPP-Methode an! Sie ist so simple, dass Du sie immer anwenden kannst, wenn du sie brauchst – ganz egal wo du dich befindest und in welcher Situation du gerade steckst.

stopp

Sagen wir, Dich belastet ein bestimmtes Thema und Du möchtest jetzt an etwas anderes denken, dann sagen Dir in Gedanken oder laut STOPP! Das wirkt wie ein Unterbrecher. Gehe danach sofort in den neuen Gedanken und das Gehirn beschäftigt sich mit dem neuen Gedanken.

Stressige Gedanken kosten Kraft

Wenn Gedanken richtig stressig sind, sprechen wir gern von einem Gedankenkarussell, das nicht mehr aufhört. Viele Menschen liegen nachts wach und fühlen sich von ihren eigenen Gedanken gequält. Geht es Dir auch so? Dann empfehle ich Dir am Abend ein kleines Umschalt-Programm als Routine einzuführen.

Mein Tipp: Nutze eine abendliche Umschaltroutine!

Um dich auf schöne Gedanken zu bringen kannst Du Dir selbst jeden Abend drei Fragen stellen, die Du Dir schriftlich beantwortest.

  • 1. Frage: Was war an diesem Tag besonders schön?
  • 2. Frage: Was war heute Dein wichtigstes Learning?
  • 3. Frage: Wofür bist Du besonders dankbar?

Zu Beginn kann es anstrengend sein, weil Du glaubst, dass Dir nicht so viel einfallen wird. Das liegt eher daran, dass wir glauben, dass das was wir aufschreiben immer besonders gut sein muss. Gehe davon weg! Es muss nicht perfekt sein! Es sind Deine Gedanken und Deine Gefühle – die dürfen einfach sein, wie sie sind. Niemand wird Deine Zeilen lesen. Nur Du!

Beantwortest Du Dir diese drei Fragen, kommst Du automatisch auf andere Gedanken und befasst Dich mit Dir selbst und Deinen Gefühlen – mit positiven Gefühlen. Nun hast du Das Umschalten geschafft! Und der zweite positive Effekt ist, dass Du durch diese positiven Gedanken in positive Schwingung kommst. Durch diese Schwingung bekommst Du gleichzeitig wieder Energie.

Wenn Du dafür Vorgaben oder einen bestimmten Rahmen brauchst, kann ich Dir das 6-Minuten-Tagebuch von Dominik Spenst empfehlen. Ich habe es für Dich getestet.

Durch Umschalten zu mehr Energie

Umschalten kostet Dich keine Kraft, weil Du dich nicht mehr gegen etwas wehren musst. Du gehst bewusst in einen bestimmten Prozess. Diesen Prozess des Umschaltens könntest Du sogar energetisch so versorgen, dass Du dabei Energie gewinnst.

Für das Umschalten inklusive Energiegewinnung ist die Meditation optimal geeignet. Eine Meditation muss nicht ewig lang sein. Mir reichen zum Beispiel fünf Minuten vollkommen aus! Das ist ungefähr so lang, wie du für das Lesen dieses Artikels benötigst. Stelle dir vor du könntest dich nach nur fünf Minuten vollkommen gelassen, innerlich ruhig und voller Energie fühlen.

Meditation – nicht schon wieder

Nun sprechen so viele Menschen von Meditation und irgendwie klingt das alles immer zu schön um wahr zu sein. Es kann aber auch eine regelrechte Ablehnung entstehen: „Wofür soll ich mir noch alles Zeit nehmen?“, „Das klappt eh nicht.“, „Ich kann nicht ruhig da sitzen und nichts denken.“, „Das kann ich eh nicht.“, „Dafür habe ich keine Zeit.“, „Das ist alles nur Hokuspokus.“

Oh je, das kann ich so gut verstehen. Jeden einzelnen Gedanken. Als ich im Burnout feststeckte, habe ich mir gedacht: „Als ob nun dadurch alles gut werden soll – das macht mein Kind auch nicht gesund.“ Und obwohl ich Hypnosetherapeutin bin und schon zuvor mit mir und mehr als 1000 Patienten erfolgreich gearbeitet habe, müsste ich doch wissen, dass es etwas bringt.

Die Patienten waren begeistert und ich doch auch. Warum war das Gefühl dafür weg? Ganz einfach, weil ich es nicht zugelassen habe und in dieser Negativ-Spirale gefangen war. Naja, ich habe es dann doch gemacht – meditiert. Besser gesagt, ich habe mich dazu gezwungen. Und schon nach wenigen Tagen fühlte ich mich besser. Also blieb ich dabei.

Diesen Prozess des Umschaltens musste ich genauso lernen, wie Du jetzt. Das wichtigste dabei ist, dass wir uns drauf einlassen. Gedanken wie „Das bringt sowieso nichts bei mir“ oder „Jetzt hat es wieder nicht geklappt“ werden immer wieder da sein und Du wirst immer wieder an Deine Grenzen kommen und aufgeben wollen.

Denn nicht jedes Mal wird alles glatt laufen. Manchmal wirst Du tiefer in die Meditation kommen und ein anderes Mal eben nicht mehr. Manchmal wird die Gedanken-STOPP-Methode gar nicht funktionieren und ein anderes Mal funktioniert sie wunderbar. So ist das eben – es ist nicht immer alles perfekt und toll. Aber es wird immer besser, je öfter du die Dinge anwendest.

Jeden Tag aufs Neue

Setzt Du täglich bestimmte Tools für Dich ein, wie diese Tipps hier, wird sich automatisch etwas in Deinem Empfinden, in Deiner Energie, in Deinem Selbstvertrauen und in der Liebe zu Dir selbst etwas ändern. Würdest Du Dir einen Stimmungs-Tracker anlegen, dann könntest Du das bildlich festhalten und tatsächlich sehen. Die Kurven jedes einzelnen Gefühls würden steigen.

Und dabei spielt es absolut keine Rolle, ob eine Entspannungsmethode nun richtig gut oder weniger gut funktioniert hat. Es geht einzig und allein darum, dass Du Dich mit Dir selbst beschäftigst – und das ist der Schlüssel, wie Du zu mehr Energie in deinem Leben kommst.

Das ist der Schlüssel, warum Du das Umschalten irgendwann perfekt beherrschen wirst – anstatt immer nur genervt zu sein – von Dir selbst und deiner Umgebung. Es geht um das Machen und kontinuierlich dran zu bleiben!

Ich habe für Dich eine Meditation aufgenommen, die Du auf YouTube anhören kannst. Diese Meditation ist genau das, was ich tue, wenn ich umschalten und dabei in positive Schwingungen kommen möchte.


Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Kerstin Böcker.

kerstin-boecker

Als Autorin, Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie schreibe ich über die Themen Burnout und Erschöpfung. Menschen auf ihrem Weg zur Heilung und zum Glück zu begleiten ist meine Leidenschaft. Durch meine eigene Burnout-Erfahrung in 2015 weiß ich ganz genau, was Betroffene brauchen, um dort wieder herauszufinden.

Ich lebe mit meiner Familie in Mecklenburg-Vorpommern, ganz idyllisch inmitten wundervoller Natur. Schreiben, Meditieren und Yoga gehören zu meinem Alltag.

burnout-selbst-behandeln.de