perfektionismus

Perfektionismus und Stress

Perfektionismus; eine Eigenschaft, die auf Dauer Stress verursacht und das Leben stark beeinträchtigen kann. Was es mit zwanghaftem Perfektionismus auf sich hat und wie Du damit umgehen kannst, zeigen wir Dir hier.

„Ich bin viel zu perfektionistisch“: ein Allrounder im Bewerbungsgespräch wenn es darum geht, eigene Schwächen darzulegen. Doch handelt es sich bei Perfektionisten wirklich um geeignete Bewerber? Nein! Zwar ist das Ziel eines Perfektionisten, Aufgaben immer fehlerfrei und mit dem bestmöglichen Ergebnis umzusetzen, jedoch setzen sich Menschen mit einem übermäßigen Drang nach Perfektion auch stark unter Druck. Dabei stehen sie sich selbst und ihrem Erfolg im Weg und neigen dazu, Wesentliches aus den Augen zu verlieren.

Was ist Perfektionismus eigentlich?

Perfektionismus ist ein Vermeidungsverhalten, bei dem der Perfektionist von sich fordert, dass er keine Fehler macht. Durch Vergleiche mit Anderen geraten Betroffene dabei in einen gefährlichen Teufelskreis aus eigenen Erwartungen, die nie vollständig erfüllt werden. Das Missverhältnis, welches in diesem Zusammenhang zwischen Soll- und Ist-Zustand entsteht, ist für den zwanghaften Perfektionisten unerträglich und setzt diesen dauerhaft unter Stress.

Perfektionismus ist nicht grundsätzlich schlecht. Denn Perfektion zeichnet sich durch gewissenhaftes, pflichtbewusstes, korrektes sowie durch ehrgeiziges Handeln aus. So kann ein gesundes Maß an Perfektionismus zum Erfolg sowohl im Beruf, als auch im Privatleben beitragen. Überdies gibt es zahlreiche Berufe und Situationen, in denen ein Hang zur Perfektion durchaus von Vorteil oder absolut notwendig ist.

Verhaltensmuster bei zwanghaftem Perfektionismus

Zwanghafter Perfektionismus entsteht häufig dann, wenn das Verlangen nach Beachtung und Anerkennung unerfüllt bleibt. Des Weiteren neigen Perfektionisten dazu, den Wert ihrer Persönlichkeit an ihrem Handeln und ihrer Arbeit zu messen. Dies führt nicht nur zu Problemen im Umgang mit Anderen sondern auch zu einer eingeschränkten und fehlerhaften Selbstwahrnehmung.

Arbeiten bis zur Belastungsgrenze

Getrieben von den eigenen Erwartungen, Aufgaben perfekt abzuschließen und vermeintliche Fehler, die keiner außer ihnen selbst sieht, zu verbessern, nehmen Perfektionisten Überstunden und Überarbeitung in Kauf. Wird das zur Gewohnheit sind gesundheitliche Probleme vorprogrammiert.

Schwierigkeiten mit Kritik umzugehen

Der größte Kritiker eines Perfektionisten ist er selbst. Es fällt Betroffenen schwer, Kritik beispielsweise von Kollegen anzunehmen. Denn diese Kritik bedeutet, dass Jemand einen Fehler entdeckt hat, der ihm selbst entgangen ist.

Perfektionisten nehmen vieles persönlich

Jeden Hinweis oder Kommentar nehmen Perfektionisten als Angriff wahr. Selbst sachliche Kritik oder harmlose Scherze verunsichern Betroffene und verstärken ihren Drang nach fehlerfreiem Handeln. Mit der Furcht vor Fehlern steigt jedoch auch die Anspannung und setzt Menschen mit zwanghaftem Perfektionismus weiter unter Druck.

Probleme bei Teamarbeit

Sich in ein Team einzufügen stellt für Perfektionisten eine große Herausforderung dar. Denn als Perfektionist sieht sich der Betroffene selbst als das Maß aller Dinge. Seine Ansprüche überträgt er dabei auf das gesamte Team, dessen Leistungen diesem selten gerecht werden. Hinzu kommt das Bedürfnis stets die Kontrolle zu behalten. So fällt es Perfektionisten besonders schwer, Aufgaben an Andere abzugeben und nehmen das Risiko in Kauf, sich selbst zu überlasten.

Denken in Schwarz-Weiß-Kategorien

Was nicht perfekt ist, ist automatisch schlecht. Durch diese Sicht der Dinge erhalten Fehler eine viel zu große Bedeutung, erhöhen die Unsicherheit und fördern Angst und Stress bei Betroffenen.
Im schlimmsten Fall folgt eine komplette Blockade, die eine noch größeren inneren Unruhe zur Folge hat.

Perfektionismus – was tun?

Bei schweren Fällen von zwanghaftem Perfektionismus ist eine Selbsttherapie in der Regel  ausgeschlossen. Therapeuten können aber helfen, Schritt für Schritt an den jeweiligen Problemen zu arbeiten. Der erste Schritt, wie bei den meisten psychologischen Problemen, ist die Selbsterkenntnis und die Eigenmotivation, etwas ändern zu wollen. Aber auch kleine Tipps können schon helfen, sich das Leben wieder leichter zu machen:

  • Behalte das Große Ganze im Auge: Nicht in Details verzetteln, die keine Rolle spielen oder den hohen Zeitaufwand rechtfertigen. Besser ist es, sich Sinn und Zweck einer Aufgabe vor Augen zu führen: Wie wichtig ist die Aufgabe? Was möchte ich mit der Aufgabe erreichen? Wie trägt die Aufgabe zu meinem beruflichen oder privaten Erfolg bei?
  • Realistische Erwartungen: Hinterfrage Deine Erwartungen. Oft sind diese viel zu hoch angesetzt und entsprechen nicht den Vorstellungen des Vorgesetzten oder deinen Kollegen. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, die Erwartungen an einen selbst beim Gegenüber abzufragen.
  • Fehler zulassen und akzeptieren: Höre auf, dich selbst zu zerfleischen, wenn etwas mal nicht geklappt hat wie geplant. Im Nachhinein können Fehler sogar hilfreich sein.
  • Hilfe zulassen: Niemand kann alles alleine schaffen. Eigene Schwächen einzugestehen und um Hilfe zu bitten ist absolut in Ordnung und zeigt Charakterstärke.
  • Weniger Analysieren – Mach es einfach. Ohne Angst sofort loslegen – ohne Aufgaben und Projekte unnötig zu verkomplizieren. Probleme erst dann angehen, wenn es wirklich nötig ist. So verhinderst du, dass Dich die Angst vor möglichen Problemen unnötig blockiert.
  • Kritik annehmen und sachlich damit umgehen: Es ist ein Irrglaube, dass Du es allen recht machen kannst und Perfektion vor Kritik schützt. Höre dir Kritik an und versuche diese neutral zu verarbeiten. Gehe nicht davon aus, dass deine perfektionistische Schwarz-Weiß-Kategorisierung auch auf den zutrifft, der Kritik äußert.