Haarausfall bei Stress: Das solltest Du wissen

6 Min. Lesezeit Aktualisiert am
Frau betrachtet Haarausfall durch Stress – Haarbürste mit ausgefallenen Haaren

Stressbedingter Haarausfall tritt meistens etwa drei Monate nach einer stressigen Phase auf. Warum ist das so und was kannst Du dagegen tun? Haare zu verlieren ist normal. Sowohl Männern wie Frauen fallen am Tag bis zu 100 Haare aus. Kritisch wird es erst, wenn man mehr Haare verliert als in kurzer Zeit nachwachsen. Die Haare hängen dann dünn und schlaff vom Kopf, bei Männern zeigen sich erste Geheimratsecken. Es gibt mehrere Arten von Haarausfall. Während er erblich bedingt zu einer Glatze führen kann, kann kreisrunder Haarausfall auf eine Autoimmunerkrankung hinweisen. Diffuser Haarausfall dagegen kann etwa bei Hormonschwankungen, Nährstoffmangel sowie Schilddrüsenfunktionsstörungen auftreten. Doch auch Stress kann dazu führen, dass die Haare vermehrt ausfallen.

Welche Arten von Haarausfall gibt es?

Nicht jeder Haarausfall ist gleich. Je nachdem, ob kahle Stellen entstehen, das Haar gleichmäßig dünner wird oder die Haare kreisförmig ausfallen, kommen verschiedene Ursachen in Betracht. Der erste Schritt zur richtigen Behandlung ist daher, die Art des Haarausfalls zu kennen.

Erblich bedingter Haarausfall

Die Ursache androgenetischer Alopezie (Alopecia androgenetica) sind die sogenannten Androgene. Dabei handelt es sich um männliche Geschlechtshormone. Fallen die Haare anlagebedingt aus, reagieren einzelne Haarfollikel auf den Botenstoff und schrumpfen. Das schwächt das Haar. Es wird dünner und enthält weniger Pigmente. Bei Männern bilden sich bei erblich bedingtem Haarausfall zuerst Geheimratsecken und später eine Glatze. Bei Frauen dagegen entstehen selten kahle Stellen. Vielmehr verlieren die Haare an Substanz. Haarausfall macht sich in diesem Fall zuerst am Scheitel bemerkbar. Hier dünnt das Haar so aus, sodass stellenweise die Kopfhaut durchscheint.

Kreisrunder Haarausfall

Fallen die Haare am Kopf oder bei Männern auch am Bart fleckenförmig aus, sprechen Dermatologen vom kreisrunden Haarausfall (Alopecia Areata). Experten bestätigen, dass es sich dabei um eine Autoimmunreaktion des Körpers handelt. Dabei machen sich weiße Blutkörperchen, sogenannte Lymphozyten, an den Haarzwiebeln zu schaffen. Die Haare fallen aus. Warum das so ist, ist noch ungeklärt. Jedoch könnte neben Autoimmunerkrankungen auch Stress ein möglicher Auslöser sein.

Diffuser Haarausfall

In diesem Fall entstehen keine kahlen Stellen am Kopf, dafür fällt das Haar verstärkt am ganzen Kopf aus. Das Haar erscheint insgesamt dünner und schlaff. Diffuser Haarausfall gilt dabei als Symptom für diverse Krankheiten oder eine Folgeerscheinung, etwa bei Hormonschwankungen oder bei einer Medikamentenunverträglichkeit. Des Weiteren gilt diffuser Haarausfall als Reaktion auf Stress.

Was macht Stress mit den Haaren?

Insbesondere diffuser Haarausfall kann eine Reaktion auf akute Stresssituationen sein. Dazu zählen neben physischem Stress auch körperliche Stresssituationen, etwa starker Blutverlust während einer Entbindung oder bei einer Operation. Bei Stress schüttet der Körper Neurotransmitter und Botenstoffe aus. Sie schädigen die Haarfollikel in der Kopfhaut und schwächen das Haar solange, bis es ausfällt. Denn bei der Ausschüttung von Stresshormonen, wie beispielsweise Cortisol, bilden sich im Körper vermehrt weiße Blutkörperchen. Als “Polizisten” schützen sie den Körper indem sie schädliche Viren und Bakterien angreifen. Eine zu hohe Konzentration an weißen Blutkörperchen, etwa Lymphozyten, erkennt man auch an erhöhten Entzündungswerten im Blut. Bei kreisrundem Haarausfall scheint es dabei zu einer noch ungeklärten Fehlreaktion zu kommen. Die Blutkörperchen greifen dann die Haarfollikel an bis diese soweit geschädigt sind, dass das Haar stellenweise ausfällt. Bei Verdacht auf kreisrunden Haarausfall durch Stress gehen manche Experten jedoch davon aus, dass Stressoren diese Autoimmunreaktion zwar begünstigen, jedoch nicht der einzige Auslöser sind. Grundsätzlich tritt Haarausfall nach einer Stressphase erst zwei bis vier Monate später auf. Stressige Situationen, die zu vermehrtem Haarausfall führen, sind vielfältig: Von hohem Fieber bei einer Grippe, über eine Trennung bis hin zu familiären Problemen kann sich sowohl physischer als auch psychischer Stress negativ auf das Wachstum von Haaren auswirken.

Warum tritt stressbedingter Haarausfall verzögert auf?

Der menschliche Haarwachstumszyklus verläuft in drei Phasen: Wachstumsphase (Anagenphase), Übergangsphase (Katagenphase) und Ruhephase (Telogenphase). Unter starkem Stress können viele Haarfollikel vorzeitig in die Ruhephase übergehen. Das ausgefallene Haar wird erst sichtbar, wenn die Ruhephase endet – was eben jene zwei bis vier Monate in Anspruch nehmen kann. Dieser Mechanismus erklärt, warum sich der Zusammenhang zwischen Stressphase und Haarausfall im Alltag so schwer erkennen lässt.

Was hilft bei Haarausfall durch Stress?

Bei übermäßigem Haarausfall über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg sollte man einen Arzt aufsuchen. Während kahle Stellen an Kopf, Bart, Augenbrauen sowie am Wimpernkranz auf erblichen oder kreisrunden Haarausfall hindeuten, äußert sich diffuser Haarausfall durch dünne Haare. Häufig geht Haarausfall auch mit einer erhöhten Talgproduktion und Hautunreinheiten einher. Beim Verdacht auf Haarausfall durch Stress**,** schließen Ärzte zunächst andere mögliche Ursachen wie beispielsweise Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselstörungen oder einen gestörten Hormonhaushalt aus. Mit einer Anamnese, der Befragung des Patienten, bezieht der Arzt weitere Faktoren für die Diagnose mit ein. Dabei spielt etwa eine Rolle, welche Medikamente Patienten zu sich nehmen oder ob sie an einer Essstörung leiden. Erst nach einer Diagnose können Ärzte entsprechende Medikation und Therapien verordnen. Diese unterscheiden sich je nach Art des Haarausfalls und der Vorgeschichte des Patienten. Bei Haarausfall durch Stress kann jedoch auch eine Therapie helfen, bei der Betroffene Techniken für besseres Stressmanagement und mehr Achtsamkeit im Alltag erlernen.

Haare wachsen wieder nach

Die gute Nachricht: Haare, die durch Stress ausfallen, wachsen wieder nach sobald sich die Haarwurzeln wieder regeneriert haben. Zwar kursieren im Internet allerhand Zaubermittel, um das Haarwachstum wieder in Gang zu bringen, Experten raten jedoch dringend dazu, sich vor der Anwendung mit einem Arzt zu beraten und sich nicht an Experimenten zu versuchen. Haare wachsen auch mit dem besten Nahrungsergänzungsmittel nicht über Nacht. Mit gesunden Inhaltsstoffen kann man das Haar dafür langfristig stärken und das Wachstum anregen.

Fünf Wirkstoffe für kräftiges und gesundes Haar

  1. Biotin: ein Mangel an Biotin kann zu Haarausfall führen und tritt beispielsweise auch infolge radikaler Diäten auf. Produkte mit Biotin können sich positiv auf das Haarwachstum auswirken, sorgen für gesunde Kopfhaut und glänzendes Haar
  2. B-Vitamine: helfen gegen trockene Kopfhaut und Spliss. Sie sorgen außerdem für gesunde, starke Haarwurzeln. Das in Lecithin enthaltene Cholin kann Haarausfall vorbeugen und ist neben entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln auch in Eigelb, Sonnenblumenkernen, Hanf- und Leinsamen enthalten.
  3. Eisen: bei schütterem Haar könnte Eisenmangel der Übeltäter sein. Dagegen helfen entsprechende Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittel wie Weizenkleie, Sesam und Amaranth
  4. Vitamin-C: hilft dabei, das Eisen im Blut zu transportieren und regt das Haarwachstum an
  5. Keratin: Kieselsäure (Silica) und Zink sind wichtige Bestandteile des Haarproteins Keratin, dass auch in diversen Volumen- und Kräftigungsshampoos enthalten ist. Grundsätzlich kann besonders der Mangel an Zink zu kreisrundem Haarausfall führen. Kieselsäure hingegen ist dafür verantwortlich, dass die Haare fest und elastisch bleiben. So haben Produkte mit Kieselerde eine kräftigende Wirkung und stärken dünnes Haar.

Stress langfristig reduzieren – die eigentliche Wurzel des Problems

Nahrungsergänzungsmittel und Shampoos können das Haar von außen unterstützen, doch der wirksamste Ansatz bei stressbedingtem Haarausfall bleibt die Ursache: den Stress selbst zu reduzieren. Regelmäßige Entspannungsübungen, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Belastungen können dabei helfen, den Cortisolspiegel langfristig zu senken und dem Körper – und damit auch den Haarfollikeln – die nötige Erholung zu gönnen. Wer merkt, dass Alltagsstress dauerhaft zur Belastung wird, sollte nicht zögern, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.


Text: Natalie Grolig

Häufige Fragen

Kann Stress Haarausfall verursachen?

Ja, insbesondere diffuser Haarausfall kann eine direkte Reaktion auf Stress sein. Stresshormone wie Cortisol beeinflussen die Haarfollikel und können dazu führen, dass Haare vermehrt ausfallen.

Wie lange nach einer Stressphase fällt das Haar aus?

Stressbedingter Haarausfall tritt in der Regel erst zwei bis vier Monate nach der eigentlichen Stressphase auf – deshalb ist der Zusammenhang oft schwer zu erkennen.

Wachsen Haare nach stressbedingtem Haarausfall wieder nach?

Ja, Haare die durch Stress ausgefallen sind, wachsen in der Regel wieder nach, sobald sich die Haarwurzeln regeneriert haben und der Stressor beseitigt ist.

Was hilft gegen Haarausfall durch Stress?

Zunächst sollte ein Arzt andere Ursachen ausschließen. Neben medizinischer Behandlung können Stressmanagement-Techniken und bestimmte Nährstoffe wie Biotin, B-Vitamine, Eisen und Zink das Haarwachstum langfristig unterstützen.

Welche Nährstoffe sind wichtig bei Haarausfall?

Biotin, B-Vitamine, Eisen, Vitamin C und Keratin-Bausteine wie Zink und Kieselsäure gelten als wichtige Wirkstoffe für gesundes, kräftiges Haar und können einem Mangel-bedingten Haarausfall entgegenwirken.

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